Knöpfe aus Grab Nr. 109 , Foto: Archäo Kontrakt

Altes Brauchtum bei Bestattungen

Silbergroschenfund aus Grab Nr. 183/1. Foto: Archäo Kontrakt
Silbergroschen 1826, Fund Nr. 183/1. / Foto: Archäo Kontrakt /

Sich änderndes Brauchtum bei Bestattungen

Die Zahl der Toten mit nachweisbaren Kleidungsresten nahm in der späten Phase stark zu, genau wie die Zahl der jeweils benutzten Knöpfe. Auch die Beigabe von Spielzeug, darunter Puppen, Murmeln und Spielzeugwaffen, ließ sich fast ausschließlich in der späten Phase beobachten. Die Gräber mit deutlich nachweisbarem Kopfschmuck, Kränzen, Hauben, stammten komplett aus der späten Phase. Als ein mit der Zeit abnehmender Brauch stellte sich die Beigabe von Schmuck in Gräbern heraus. Das galt insbesondere für Fingerringe, Ketten und Anhänger. Einzelne Ohrringe wurden auch in männlichen Gräbern gesichert nachgewiesen.

Münzen zum Schutz gestorbener Kleinkinder

Die Münzbeigabe konzentrierte sich auf die späte Phase und dort besonders auf die Säuglings- oder Kleinkindergräber. Auch Objekte, die in Zusammenhang mit der Körperreinigung stehen, wie Schwämme, Kämme und Ähnliches, stammten zu zwei Dritteln aus Kindergräbern, was deutlich von einer normalen Verteilung abwich. Wo solche Gegenstände in den Gräbern lagen, fanden sich keine Münzen. Diese Objekte werden daher im Sinne eines Abwehrzaubers gedeutet. Zweimal wurden in Gräbern Reste von Büchern geborgen, wahrscheinlich Gesangbücher oder Bibeln. Vier Funde aus Eisen wurden als Reste von Bändern identifiziert, die bei Leistenbrüchen angelegt wurden. In vier Bestattungen fand man Zahnprothesen. In zwei Gräbern lagen jeweils eine Taschenuhr und in zwei weiteren wurden Reste von eisernen oder eisenverkleideten Kästchen entdeckt.

Zuwanderung änderte Bestattungsrituale

Für viele der in der späten Belegungsphase neu oder verstärkt auftretenden Beigaben lassen sich ältere Vorbilder, oder eine noch stärkere Verbreitung in katholischen Friedhöfen Berlins sowie der Umgebung nachweisen. Das rasche Bevölkerungswachstum Berlins in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts speiste sich den Schriftquellen nach unter anderem durch Immigranten aus Polen, Schlesien und Böhmen. Sie siedelten sich am Rande der ständig expandierenden Stadt an und scheinen hier, in der Boxhagener Straße, auch ihre letzte Ruhe gefunden zu haben.

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