Die sterbende Gesellschaft und die Anarchie von Jean Grave, Fre Commune Press

Nimmer lässig, nimmer zaghaft!

Alte Illustration anarchistischer Waffen

Anarchisten in der Lange Straße

von

Adolf Schewe, klein, schmächtig, 25 Jahre alt, fühlte sich genervt. Sein Kumpel Kurt Dräger hatte zwei „Schatten“ in schäbiger Kleidung bemerkt. Und die ließen sich nicht abschütteln. Entschlossen ging Schewe auf Herrn Busse und Herrn Zachau zu. Nach kurzem Disput reichte es Schewe. Er schlug mit seinem Schlagring auf Busse ein. Zachau schrie um Hilfe, Schaulustige blieben stehen. Wachtmeister Rühlemann eilte heran und verhaftete Schewe und Dräger. Jedoch, vor dem Hauptportal der Polizeiwache in der Elisabethstraße zog Schewe einen Revolver und schoss. Und, Berufsrisiko von Zivilermittlern, eine Kugel traf Zachau am linken Arm, Busse trug einen Streifschuss auf der rechten Gesichtsseite davon. Schewe ballerte weiter und verfehlte die Herrn Goldgräber und Hoffmann. Diese „Zivis“ hatten sich im Hintergrund gehalten und warfen sich jetzt auf Schewe. Unerkannt flüchtete Dräger in die Wohnung seiner Mutter in der Lange Straße 17. Vor  dem Haus standen unauffällige Herren. Die klopften mutig um 4 Uhr früh an die Wohnungstür. Auf die Frage „Wer dort?“ riefen sie: „Freund Kammin!“. Sie fanden Dräger im Bett liegend. Während er sich anzog, durchsuchten sie sein Zimmer. Ein geladener sechsläufiger Revolver lag hinter einem Spiegel. Und jede Menge „Propagandamaterial“. Zeitgleich wurde die Wohnung von Schlosser Adolf Schewe in der Frankfurter Allee 183 durchsucht und viele anarchistische Schriften beschlagnahmt. 50 Personen wurden verhaftet und für Tage in Untersuchungshaft genommen. Wir schreiben den 16. August 1894. Diese Aktion der politischen Polizei (Vorläufer des heutigen Verfassungsschutzes) war ein schwerer Schlag gegen die Berliner Anarchisten. Die Elisabethstraße gibt es nicht mehr, sie war nur einige Gehminuten von der Lange Straße entfernt.

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