Schulhof der Hausburgschule , Foto: Detlef Krenz

Viele Fragen, wenig Antworten

Spuren der Vergangenheit: Einschusslöcher in der Hausburgschule , Foto: Detlef Krenz
Einschusslöcher in der Hausburgschule / Foto: Detlef Krenz /

Keine Straßengewinne

Zweieinhalb Millionen Menschen lebten im April 1945 in Berlin. Am 20. April erreichten Verbände der roten Armee die nordöstliche und östliche Stadtgrenze. Die Stärke dieser Verbände lag viereinhalbmal über jener der deutschen. Am Morgen des 24. April brannten weite Teile der Berliner Innenstadt. Die Luft war von beißendem Rauch erfüllt. Es gab kein elektrisches Licht, kaum Trinkwasser. Die Versorgung mit Lebensmitteln brach zusammen. Die Fünfte Sowjetische Stoßarmee kämpfte im Bereich der Hausburgstraße und an der Großen Frankfurter Straße. Einer der Gegner war Erich Bärenfänger, ein fanatischer SS-Kommandeur. Seine Truppe bestand aus Mitgliedern des SS-Bataillons „Mrugalla“, des SS-Regiments „Anhalt“, des SS-Wachregiment „Großdeutschland“ und Mitgliedern von Polizeieinheiten.
In der Hauptsache waren es versprengte Soldaten der Kämpfe um Seelow, Hitlerjungen und Angehörige von Sondereinheiten, die an Massenerschießungen  und anderen Kriegsverbrechen beteiligt waren. Bärenfängers „Kommandostand“ war der U-Bahnhof Samariterstraße und die U-Bahnlinie zum Alexanderplatz Teil der Hauptkampflinie. Unter erbitterter Gegenwehr verlor Bärenfänger die Straßen seines Verteidigungsbereiches. Kaum dass das Kampfgeschehen weiter gezogen war, versuchte das KPD-Mitglied Emil Dusiska mit bisher in der Illegalität lebenden Genossen Verbindung aufzunehmen. Beim Versuch den „Schreiner Hof“ (Ecke Schreiner- und Voigtstraße) zu erreichen, wurde er von versteckten SS-Leuten in der Hausburgstraße beschossen. Bewohner brachten Dusiska über Hinterhöfe in Sicherheit. In der nahen Straßmannstraße war noch am Morgen des 24. April ein flüchtender Soldat wegen „Feigheit“ von SS-Leuten an der Laterne aufgehängt worden. Am 25. April tobten die Kämpfe im Volkspark Friedrichshain. Um Kinder und Bewohner mit warmen Essen zu versorgen, stellten sowjetische Soldaten auf dem Hof der Hausburgschule Gulaschkanonen auf. Der Krieg war nah. Nicht weit weg versuchte eine Gruppe von 130 Frauen und Kinder über die Landsberger Allee in das befreite Stadtgebiet zu kommen und wurde von SS-Leuten aus dem Hinterhalt angegriffen. Auch auf dem Hof der Hausburgschule schlugen wieder Treffer ein. Oberst Jewdokinow, der erste sowjetische Kommandant in Friedrichshain, forderte Bärenfänger auf, sich zu ergeben, um das Leben seiner Leute und das von Einwohnern zu schützen. Der vom Krieg besessene SS-Offizier lehnte ab. Am 1. Mai 1945 erschoss er seine Frau, seinen Schwager und sich im Keller der Schultheiss-Brauerei.

Theorien und Namen

Um die Einschusslöcher an den Wänden der Hausburgschule ranken sich viele Mythen, echte Beweise gibt es nicht. Aus der Tiefe und Form der Beschädigungen lässt sich weder auf die Waffen noch darauf schließen, wer dort geschossen hat. Etliche Kämpfer beider Seiten konnten mit allen verfügbaren Waffen umgehen.
Nach dem Krieg wurde aus der „Volksschule Hausburgstraße, die „Bernard-Koenen-Oberschule“ in Ehrung von Bernard Koenen, einem verdienten KPD-Mann. Bernard Koenen war zeitweise Botschafter der DDR in der CSSR und Mitglied des Staatsrates der DDR, aber auch ein unbequemer Kopf und saß zwischen 1937 bis 1939 in Moskauer NKWD-Kerkern. Deshalb wurde 1987 aus der jetzt „10. Polytechnischen Oberschule Friedrichshain“, die „Herbert Neumann Schule“ im Angedenken an den Jungkommunisten Herbert Neumann, der 1928 von einem Polizisten erschossen wurde.
Heute ist die Hausburgschule eine internationale Schule mit Sprachschwerpunkt Deutsch-Spanisch.

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