Turnhalle in der Otto-Ostrowski-Straße, Foto: Matthias Strobel

al salam alaikum, marhaba

Turnhalle in der Otto-Ostrowski-Straße, Foto: Matthias Strobel
Im Dezember 2016 leben noch etwa 90 Geflüchtete in der Turnhalle in der Otto-Ostrowski-Straße, manche schon seit über einem Jahr. / Foto: Matthias Strobel /

Vom Leben in der Turnhalle.

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Im Sommer 2015 taten sich einige Friedrichshainer zusammen, um die vielen, nach Berlin strömenden Flüchtlinge willkommen zu heißen und das offensichtliche Behördenchaos zu lindern. „Friedrichshain hilft“ begann Spenden zu sammeln und freiwillige Helfer für die Nachbarbezirke zu koordinieren. Die Hilfsbereitschaft war groß, Berge von Kleidung, Sanitärartikeln oder Spielzeug stapelten sich bald in Räumen, die das Hausprojekt in der Rigaer Straße 94 spontan zur Verfügung gestellt hatte. „Ich wusste aber gar nicht, dass es hier im Kiez auch Turnhallen gibt, die mit Geflüchteten belegt werden können“, sagt Matthias Strobel, der von Anfang an dabei war. Doch, gibt es, und sogar zwei: in der Gürtelstraße und der Otto-Ostrowski-Straße. Anfang November erfuhr die Initiative von den beiden Turnhallen. Das lief so ab: Freitags besichtigte die Feuerwehr, die Polizei, das THW und das LAGESO den Ort und entschieden über die Anzahl an Menschen, die dort untergebracht werden kann (140 in der Ostrowski-Straße, 250 in der Gürtelstraße). Die Turnhallen wurden geräumt. Wenige Stunden später lieferte das THW Holzplatten, die sofort mit Unterstützung der Freiwilligen auf dem teuren Hallenboden verlegt wurden. Samstag kamen dann billige Stockbetten, die schnell aufgebaut wurden. Außerdem musste geklärt werden, welche Nebenräume als Spielzimmer, Essensausgabe oder Kleiderkammer geeignet sein könnten, ob die sanitären Anlagen funktionieren und ausreichen oder ob noch Dixi-Klos aufgestellt werden müssen. Ein Betreiber für die Unterkunft wurde noch gesucht, man verließ sich unbürokratisch und dankbar auf die freiwilligen Helfer. Die waren zahlreich vor Ort: um die 50 in der Gürtelstraße, eine Woche später 70 in der Otto-Ostrowski-Straße. Und schließlich kam die Bettwäsche.
Ivonne fand in diesem Moment eher zufällig den Aufruf von „Friedrichshain hilft“ im Internet: „Wir brauchen JETZT Hilfe in der Gürtelstr., hier sind jede Menge Betten zu beziehen und es sollen heute Flüchtlinge einziehen!“
Sie fuhr hin – und blieb. Zum ersten Jahrestag resümiert sie diese Zeit auf Facebook. Sie schreibt auf deutsch und arabisch an „ihre Jungs und Mädels“. Der vollständige Text von Ivonne ist mit Übersetzung hier zu finden. An ihren ersten Abend erinnert sie sich so:
„So ergab es sich also, das ich mich in einer Turnhalle wiederfand und nicht mal Zeit fand, zu fragen, was ich tun könne, geschweige denn meine Sachen abzulegen, man drückte mir vom LKW aus schon den ersten Pappkarton in die Hand. Ich fragte nicht, ich verfolgte einfach die anderen Kistenträger, der Inhalt stellte sich dann als Bettwäsche heraus. … Wir bezogen dann also Betten, lernten uns rudimentär kennen, ich schielte schon immer auf die Uhr, wohlwissend, dass ich morgen früh raus müsse, nun waren da aber einfach noch so viele Betten zu beziehen.
… Ok, fertig, ab nach Hause! Auf dem Weg nach Hause wurde ich durch eine Teambesprechung gestoppt, die dann abrupt damit endete, dass die Security im Raum stand „Die Busse sind da.“ – WAS?! –  Ich stehe vor der Tür und ein ganzer Treck müder und abgekämpfter Menschen reiht sich vor mir auf … und guckt mich fragend an… ich gucke fragend zurück … Eine Frau mit vielen Kindern drückte mir ihr Baby in den Arm, um sich um die anderen Kinder zu kümmern. *Öhm …* Jetzt kann ich hier nicht mehr weg.

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