Bahnhof Spandau West, 1946 | / Foto: Otto Donath, Bundesarchiv, Bild 183-N0304-308 / CC-BY-SA 3.0 /

Un-Zeiten

Frauen warten auf den Vorortzug, Foto: Otto Donath, Bundesarchiv, Bild 183-M1205-318 / CC-BY-SA 3.0
Frauen warten im Sommer 1946 auf dem Wriezener Bahnhof auf einen Vorortzug, um Essbares zu holen. / Foto: Otto Donath, Bundesarchiv, Bild 183-M1205-318 / CC-BY-SA 3.0 /

Hamsterfahrt.

von Marianne Wachtmann.

Hamsterfahrt – dieser Begriff klingt heute so, als würde jemand mit dem Ziel losfahren, sich einen großen Vorrat zusammen zu raffen. Viele Menschen waren nach dem Krieg notgedrungen auf diese Variante des Schwarzhandels angewiesen, um den Hunger zu bändigen. Kann sich heute bei uns noch jemand vorstellen, was richtiger großer Hunger bedeutet? Nein, sicher nicht. Jedenfalls nicht so richtig, wo es heute einen Überfluss in den Geschäften gibt, Imbissbuden an jeder Ecke und einen vollen Kühlschrank in der Küche.
Um etwas Essbares zu erhalten, musste man 1946 eine Lebensmittelkarte mit gültigen Abschnitten für Fleisch, Brot, Butter, Zucker, Nährmittel und so weiter besitzen. Und wenn man die notwendigen Lebensmittelmarken hatte, dann kam noch das stundenlange Anstehen vor den wenigen Geschäften dazu, die etwas anzubieten hatten.

Geld hatte keinen Wert

Man wusste sich in schlechten Zeiten aber auch zu helfen. Wozu gab es denn in der Umgebung von Berlin eine reichhaltige Landwirtschaft? Auch dort gab es nichts zu kaufen, nicht für das wertlose Geld, das man allerdings auch nur in begrenzten Mengen hatte. Wenn nicht kaufen, dann eben tauschen – Ware gegen Ware – wie es schon unsere Ahnen in grauer Vorzeit taten, diese Lösung bot sich an.
Doch was hatten die Menschen schon Wertvolles über den Krieg retten können? Es war wenig und was schön und wertvoll war, von dem wollte man sich nur ungern trennen. Das gute silberne Besteck, das man von den Großeltern geerbt hatte, brauchte man nicht unbedingt, Eisen- oder Neusilber-Besteck aus der Küche tat es ja auch.

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