Quelle: FHXB-Museum

Unsichtbare Nachbarn

 

Vertriebene Nachbarn

Die Nummern 34 bis 38 galten als Adresse für Einrichtungsgegenstände, wie es die Firma „Küchen-Masserer“ war. Gute und preisgünstige Möbel bot „A. M. Moeller & Co“ an. 1910 gründeten Max Moeller und Paul Cohn ihren Möbelladen als „Möbel-Engros-Handelsverbund“. Die Firma hatte 7 Angestellte, verfügte über 150 Quadratmeter Laden- und 300 Quadratmeter Lagerfläche und erzielte schon im Juni 1910 einen Gewinn von 60.000 Goldmark. Leider erlitt Paul Cohn 1916 einen Verlust der Sehkraft des linken Auges und eine Netzhautablösung des rechten Auges. Dann starb sein Geschäftspartner Max Moeller am 31. März 1927. Am 9. März 1938 wurde Paul Cohn von der Industrie- und Handelskammer zu Berlin angeschrieben. Mit der Begründung: „Das Unternehmen ist seit Jahren kleingewerblich“, leitete ein Herr Grasshoff die Löschung von „Moeller & Co“ ein. Cohn antwortete am 1. April 1938: „Es ist richtig, daß mein Geschäft in letzter Zeit zurückgegangen ist“. Er gab seine gesundheitlichen Probleme als Grund an und war mit einer Löschung zum 31. August 1938 einverstanden. Von der Handelskammer kam die Antwort: „Da in keiner Weise dargetan wird, wie sich das Unternehmen in absehbarer Zeit wieder vollkaufmännisch entwickeln sollte, können wir eine Aussetzung des Löschverfahrens nicht befürworten“. Cohn antwortete daraufhin: „Die Löschung entzieht mir auch die geringste Möglichkeit einer weiteren Betätigung, da zwar mein Firmenname, aber nicht meine eigene Person bekannt sind. Irgendwie ist eine Tarnung durch meinen Namen niemals beabsichtigt gewesen oder beabsichtigt, denn ich habe selbst die Firma im Jahre 1910 gegründet. Durch die Entziehung der Firma wird mir nun jede Arbeitsmöglichkeit aufgehoben, so daß ich fürchte, dann der öffentlichen Hand zur Last zu fallen, während ich bis heute außer privater Hilfe keinerlei Wohlfahrtshilfe in Anspruch genommen habe.“ Er beantragte die Aussetzung des Verfahrens bis zum 31. Dezember 1938. Am 23. Juli 1938 verlor er seine Firma. Paul Cohn konnte Deutschland mit der Hilfe seiner Familie verlassen.

Verlorene Heimat

Fast mittellos verließ Margarete Masserer – Gründerin der „Küchen Masserer – Lackierwerkstätte und Möbelhandlung“, 1936 „ihr“ Deutschland. In den Räumen der Möbelfabrik „Heine-Schlafzimmer“, an der Nummer 57/58, waren ab 1941 polnische Zwangsarbeiterinnen einquartiert. Der einstige Besitzer von „Heine-Schlafzimmer“ hieß Heine und war jüdisch. Mehr ist von ihm nicht überliefert. Das Ehepaar Silberkleid wurde im November 1941 nach Minsk deportiert, dessen weiteres Schicksal liegt im Dunklen. Neben den Transportlisten für die Lager wurden Listen über die freigewordenen Wohnungen Deportierter geführt. In der Warschauer Straße waren das Wohnungen in den Häusern der Nummern 5, 8, 22, 26, 30, 51, 80, 86, 88, 89. Über 100 andere Friedrichshainer Standorte jüdischen Lebens konnten bislang ermittelt werden.

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