Hanno Hochmuth "Kiezgeschichte. Friedrichshain und Kreuzberg im geteilten Berlin"

Kiezvergnügen

Sprengung in der Fruchtstraße in den 70igern | Foto: Jochen Haupt
Sprengung eines Wohnhauses in der Fruchtstraße 1971 / Foto: Jochen Haupt /

Das meiste Bier kam aus Friedrichshain

Auf der knapp einen Kilometer langen Fruchtstraße gab es zwischen der Großen Frankfurter Straße (der heutigen Karl-Marx-Allee) und der Mühlenstraße nicht weniger als 32 Lokale, die in der SAG-Kneipen-Studie erfasst wurden. Am Abend ihrer sechsstündigen Expedition durch die Fruchtstraße zählten die Studenten insgesamt 294 Gäste, deren soziale Zusammensetzung genau dem kleinbürgerlich-proletarischen Sozialprofil der Fruchtstraße in den Zwanziger Jahren entsprach.
Die meisten Kneipen trugen den Namen der Biermarke, die jeweils exklusiv ausgeschenkt wurde. Darin zeigte sich auch die Abhängigkeit der Wirte von den Berliner Großbrauereien, die in der Regel das gesamte Mobiliar sowie die kostspielige Zapfanlage stellten. Den größten Zuspruch genossen die untergärigen Biersorten nach Pilsener Brauart, denn im Gegensatz zum traditionellen obergärigen Weißbier ließ sich das Pils leichter zapfen und vor allem schneller trinken. In der Fruchtstraße dominierten die Biermarken der Großbrauereien, die ihre Brauanlagen und Kellergewölbe ganz in der Nähe in den lehmigen Hängen des aufsteigenden Barnims errichtet hatten. Am meisten verbreitet waren das Patzenhofer aus der Landsberger Allee, das Löwenbräu-Böhmische aus der Friedenstraße sowie das Engelhardt-Bier von der nah gelegenen Halbinsel Stralau.

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