Fassadenentwurf Ringbahnhalle 1988, Quelle: "Architektur der DDR" Nr. 5/88 aus Artikel "Neubau Ringbahnhalle in Friedrichshain"

Neue Stadt privat

Ringbahnhalle 1981, Quelle: Architektur der DDR Nr. 5/88 /
1981: Die Ringbahnhalle war wegen ihrer Fischstände beliebt.
/ Quelle: Architektur der DDR Nr. 5/88 /

Einkaufscenter in Friedrichshain.

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Gertrud Hassfurth war seit 1953 Fischhändlerin in der Ringbahnhalle am Bahnhof Frankfurter Allee. 1955 wurde sie Leiterin der Fischverkaufsstelle. Neben Dutzenden von Kilo Salaten und Marinaden gingen hier täglich hunderte Kilo Frisch- und Räucherfisch über den Tisch.  Am 8. März 1973 erhielt das 10-köpfige Kollektiv von Gertrud Hassfurth zur Würdigung ihrer Leistungen die Clara-Zetkin-Medaille überreicht. Die Ringbahnhalle war allerdings in keinem preiswürdigen Zustand. 1915 als Kino geplant, vermittelte sie ihren Besuchern  zwar den Charakter einer alten Markthalle, doch war sie weder erhaltenswürdig noch erweiterungsfähig. 1987 schrieb Roland Korn, seinerzeit „Chefarchitekt Berlins“ einen Wettbewerb zum Neubau aus. In den 90er Jahren sollte eine 2.500 m² große Halle entstehen.
Neue Pläne sahen 1990 eine 5.500 m² Halle vor. Nun unter der Beteiligung von privaten Unternehmern. Aber diese waren ohne Kapital. So die Fisch- und Spezialitätenhandels GmbH, die ihre drei Angestellten vom Fischstand auf Kurzarbeit Null setzen musste.  Am 13. Mai 1991 verhandelte Dr. Reinhard Meyer,  Kopf des Stadtplanungsamtes von Friedrichshain, mit einem Konsortium, das auf dem Gelände einen Büro- und Konsumtempel von 130 m Höhe mit 32 Stockwerken bauen mochte. Das Konsortium aus dem Bauunternehmen Philipp Holzmann, der amerikanischen SOM und der ECE Projektmanagement brachte 5.000 künftige Arbeitsplätze ins Spiel. Der für die ECE tätige Architekt Wolfgang Keilholz sagte, dieses gläserne Center wäre ein Wahrzeichen, in dem man sich preisgünstig einkleiden und versorgen könne. Der damalige Senatsbaudirektor Hans Stimmann lehnte zwar Hochhausarchitekturen ab, meinte aber hier an der Frankfurter Allee wäre ein „Stadtzeichen“ nötig. Selbst Bezirksbürgermeister Helios Mendiburu glaubte, „die Versorgung der Bevölkerung mit den Waren des täglichen Bedarfs würde sich verbessern“. 1993 verließen die letzten Händler die alte Halle. Fünf wurden Mieter im Neubau mit 16.500 m² Fläche.  Für diesen wurde am 8. Juni 1994 der Grundstein gelegt und am 5. Oktober 1995 eines der ersten neuen Einkaufscenter in Berlin eröffnet.

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Ein Gedanke zu „Neue Stadt privat“

  1. Der Fischstand in der Ringbahnhalle war für uns Kinder immer ein Gruselerlebnis, da die Karpfen lebendig ins Papier gelegt und dann erschlagen wurden. Am besten war der Eisverkauf am Eingang. Das Ringcenter hat ja gar kein Seelenleben und ein weiteres Einkaufscenter braucht kein Mensch in Friedrichshain. Danke für den gut recherchierten Artikel.

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