„Wenn es nach der Industrie ginge, dann würden wir alle kaputten Schuhe wegwerfen.“

Es gibt Vieles zu entdecken in der Schuhmacherwerkstatt von John O'Hara| Foto: Giovanni Lo Curto
Detail aus dem Ladenraum: Die Tanzschuhe stammen aus einem Theaterfundus. / Foto: Giovanni Lo Curto /

Stützen für das ganze Leben

„Von allen Körperteilen müssen unsere Füße das meiste aushalten. Die Füße tragen das Gesamtgewicht des Körpers – ein Leben lang. Das hat Auswirkungen auf die gesamte Körperhaltung. Und wenn ich sehe, dass große Männer mit vielleicht 90 Kilogramm auf Schwämmchen laufen …“
Nach einem kurzen Schweigen fügt er hinzu: „Dann landen die beim orthopädischen Schuhmacher. Und was es da für schicke Modelle gibt, das weiß man ja.“
Als John O’Hara mit der Ausbildung fertig war, dauerte es noch einmal ein halbes Jahr, bis er das Geschäft des alten Schuhmachers kreditfinanziert übernehmen konnte. „Für die Meisterausbildung fehlte mir das Geld. Aber ich finde, es kommt auf die Qualität und das Material an und nicht auf den Meisterbrief.“
Hat das Handwerk goldenen Boden? John schaut skeptisch. „Man lebt eher von der Hand in den Mund“, antwortet er und zählt auf, welche Fixkosten mit einberechnet werden müssen: Ladenmiete, Material, Werkzeug, Strom und Wasser, Pflichtbeiträge, Steuer. „Wir sind eine Auto-Gesellschaft“, sagt er. „Für das Auswechseln einer Auto-Glühlampe zahlen die Leute in einer Werkstatt ohne zu Murren locker mal 50 Euro. Wenn ich ein Paar Absätze ersetze, was mich 20 Minuten kostet, und ich verlange 12 Euro dafür, regen sich manche darüber auf.“ Um sein Argument zu bekräftigen, fügt er hinzu: „Ein Auto muss man nicht unbedingt haben. Aber Schuhe braucht man immer!“

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