Eröffnung des SEZ mit Erich Honecker und Erhardt Gißke Foto: Bundesarchiv Berlin

Interimslösung – beste Lösung?

Eröffnung des SEZ mit Erich Honecker und Erhardt Gißke Foto: Bundesarchiv Berlin
Die Partei und Staatsdelegation ging anlässlich der Eröffnung nicht baden! Der große Mann, der sich zu Erich Honecker beugt, ist Erhardt Gißke. / Foto: Bundesarchiv Berlin /

Das Sport und Erholungszentrum.

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Wenn es die Begriffe Wellness und Spa bereits vor 36 Jahren in Friedrichshain gegeben hätte, sie wären ab dem 20. März 1981 im Bezirk überproportional oft gefallen. An diesem Tag öffnete nämlich das Sport- und Erholungszentrum an der Straßenkreuzung Lenin­allee / Dimitroffstraße (heute Landsberger Allee/Ecke Danziger Straße) seine Tore. Dessen Kurzname SEZ ging sofort in den Berliner Sprachgebrauch ein.
Die Entstehung war für DDR-Verhältnisse ungewöhnlich. Ein Bauexperte bezeichnete es einmal als Ufo, das auf einmal da war, einfach gelandet, ohne dass es die üblichen jahrelangen Planungen vorher gegeben hatte. Der Grund war, dass es praktisch eingekauft wurde. Den architektonischen Wettbewerb gewannen die Architekten Bernd Fundel, Klaus Tröger und Günter Reiß aus der Bundesrepublik. Errichtet wurde es innerhalb von zwei Jahren unter der Bauleitung von Erhardt Gißke.

Ein DDR-Baumanager

Erhardt Gißke, war ein hochkarätiger Baumanager, der Bauvorhaben wie den Palast der Republik, das Schauspielhaus, den Bettenturm mit Spezialklinikbereiche der Charité, den Ernst-Thälmann-Park mit Planetarium, den Pionierpalast, das Grandhotel und weiteres realisierte. Planung und Organisation lernte er in Friedrichshain in den 1950er Jahren, als er die Fahrpläne der Trümmerbahnen für den Neubau der Stalinallee erarbeitete. Sich durchzusetzen lernte er ebenfalls hier, indem der wuchtige fast Zwei-Meter-Mann einzelnen Brigaden, die Baumaterial in den Loren für ihre Planerfüllung abzuzweigen versuchten, das Fürchten lehrte.
Mit entsprechender Vollmacht ausgestattet, konnte er sehr resolut auftreten. Sein Betrieb Aufbauleitung Sondervorhaben war direkt an das Bauministerium angegliedert. Gegenüber Bedenken von hauptstädtischen Experten gegen ein Bauvorhaben seines Baustabes soll er einmal auf den Tisch geschlagen haben mit dem Spruch: „Hier baut nicht Berlin, hier baut die DDR!“ Damit verwies er seine Kollegen auf ihren Platz in der Hierarchie. War dies für Bauvorhaben, wie das SEZ durchaus hilfreich, hatten die Stadt und ihre Bezirke mitunter das Nachsehen: Verantwortlich war Gißke, der treu zur SED stand, auch für die Sprengung der Gasometer in Prenzlauer Berg.

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