Tieghisti Habtom, Gründerin der Internet-Reiseplattform "Glofolio" | Foto: Giovanni Lo Curto

„Es erweitert das Bewusstsein.“

Tieghisti mit vier Jahren | Foto: privat
Tieghisti Habtom im Alter von vier Jahren zwischen zwei Reisegefährten auf einem Parkplatz in Österreich. / Foto: privat /

Im Modebereich erfahren

Der Name Tieghisti ist selten. Er bedeutet „Geduld“ in der eritreischen Sprache Tigrinya. „Meine Mutter kam mit mir und meiner Schwester aus Eritrea nach Deutschland, als ich vier Jahre alt war“, erzählt sie. „Aufgewachsen bin ich Wuppertal.“ Weil sie sich für Mode interessierte, lernte sie nach der Schule den Beruf der Bekleidungstechnikerin. „Die Ausbildung ist ähnlich, wie die der Modedesignerin, nur mit größerem Fokus auf das technische Know-how. Erst lernten wir es handwerklich, dann am Computer. Es geht von der Idee über den Entwurf, einschließlich der Entwicklung und Produktion der Kollektion.“ Dann wechselte sie in die Trendforschung, genauer in die Modetrendforschung. „Dort war es sehr wichtig, den Blick auf das Ungewohnte zu schulen und durch aufmerksames Beobachten, wiederkehrende Muster zu entdecken. So ein Modetrend braucht ein ganzes Jahr, um sich durchzusetzen“, erklärt sie. „Zu beobachten ist zuerst, dass bestimmte Dinge vereinzelt wiederkehrend auftauchen bis sie sich dann als Trend durchsetzen.“ Ihre Erfahrungen im geduldigen Beobachten des Marktes werden sich zweifellos positiv auf ihr Geschäft auswirken.

Große und kleine Unternehmen

Später arbeitete Tieghisti in einer Marketingagentur in Köln. Schließlich begann sie in einem Startup in Berlin. „Die Stimmung dort war zuerst sehr angenehm und die Arbeitsweise flexibel“, sagt sie. Auch der Einzelne war wichtig und die Arbeit, die geleistet wurde, wurde geschätzt. Doch als immer mehr Investoren einstiegen und das Geld ins Geschäft brachten, änderte sich der Ton. Die Arbeit wurde immer mehr, sie wurde nicht mehr wertgeschätzt. Die Mitarbeiterzahlen des Unternehmens stiegen von 60 auf 200. Sobald viel Geld kam, konnten die Gründer nicht mehr mitreden. Die Flexibilität ging verloren. „Diese Erfahrung habe ich jetzt“, betont Tieghisti. „Ich wüsste, wie man damit umgeht.“ Sie arbeitete auch bei Peek und Cloppenburg, einem Bekleidungsunternehmen, das in punkto Mitarbeiterführung, Organisation und Mitarbeiterschulung als vorbildlich gilt. „Beides ist wichtig, die klare Struktur und die Flexibilität“, betont sie. Warum ist sie nicht bei der Modebranche geblieben, erkundige ich mich. Die Antwort ist einfach: „Jeder ändert seine Interessen mit zunehmendem Alter. Ich habe die Wirkung von Reisen kennengelernt, es erweitert das Bewusstsein.“ Tieghisti empfindet es als angenehm, dass es die Möglichkeit gibt, sich auf dem Berufsweg nach seinen persönlichen Neigungen zu orientieren und auch mal zu wechseln – für uns heute eine Selbstverständlichkeit. Solange ihr Geschäft noch nicht für den Lebensunterhalt ausreicht, muss sie noch anderswo Geld verdienen, momentan in der Immobilienbranche.

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