Tieghisti Habtom, Gründerin der Internet-Reiseplattform "Glofolio" | Foto: Giovanni Lo Curto

„Es erweitert das Bewusstsein.“

Existenzgründerin Tieghisti Habtom | Foto: ISI e.V.
Tieghisti Habtom stellt ihre Geschäftsidee im Existenzgründerinnen-Kurs vor. / Foto: ISI e.V. /

Unterstützung durch ISI e.V.

Bei der Organisation ihres Startups hat sie die Initiative Selbständiger Immigrantinnen „ISI e.V.“ unterstützt. „Normalerweise denkt man bei Geschäftsfrauen an unterkühlte Karriere-Damen, aber das ist bei der Initiative ganz anders. Diese sind sehr herzlich. Ein Teil arbeitet selbst als Unternehmerin. Das sind sehr kompetente und erfahrene Dozentinnen. Ich habe dort viel gelernt, insbesondere das Erstellen eines Finanzplans für den Businessplan.“ Seit 1990 bietet ISI e.V. Qualifizierungsangebote für Gründerinnen mit Migrationshintergrund an. Zur Motivation heißt es: „Viele Immigrantinnen in Berlin wollen endlich selbst Chefin sein, mehr Verantwortung übernehmen und/oder aus der Arbeitslosigkeit herauskommen.“ In mehreren Modulen können Gründerinnen Schritt für Schritt lernen, wie man eine Firma gründet, angefangen von Gründungsmotivation über das Erstellen eines Geschäftsmodells, eines Businessplans, über Marketing, Webseite und Blog bis hin zu zusätzlichen Qualifizierungen. Es ist eine immens wichtige Arbeit, die kürzlich vom Friedrichshain-Kreuzberger Unternehmerverein ausdrücklich gelobt worden ist.

Tourismus im Widerspruch

Wir kommen auf die negativen Auswirkungen des Tourismus zu sprechen: die steigenden Mieten und der Lärm. Auch Tieghisti sieht das als problematisch an. „Es ist Aufgabe der Stadt, dafür Sorge zu tragen, dass die Menschen geschützt werden, die hier leben“, meint sie. Und damit hat sie Recht. Tourismus an sich ist nicht schädlich, zumal wir alle gern verreisen. Er ist ein wichtiger Wirtschaftszweig und kann Menschen und Kulturen friedlich zusammen bringen. In Barcelona wurde im Mai 2017 auf einer internationalen Tagung ein Memorandum für nachhaltigen Tourismus beschlossen, das mit einem ganzheitlichen Konzept erstmalig ökologische und soziale Standards für einen für alle verträglichen Tourismus festlegt. Und in Amsterdam werden seit einigen Wochen keine Konzessionen mehr an neue Fahrradverleihe, Ticketshops, Fast-Food- und Eis-Läden oder andere Geschäfte vergeben, die sich vornehmlich an Touristen richten. In Berlin begnügt man sich hingegen mit der Absicht, die Bier-Bikes abzuschaffen, die Touristenströme aus der City an die Peripherie zu lenken und einen Bürgerrat einzurichten.

Was Berlin mit Nordrhein-Westfalen gemeinsam hat

Wie gefällt ihr Berlin, möchte ich von Tieghisti wissen. „Für mich ist Berlin wie Nordrhein-Westfalen“, erwidert sie spontan. „Wenn Friedrichshain wie das Luisenviertel in Wuppertal ist, dann ist Kreuzberg wie ein paar Ecken in Köln und Charlottenburg wie Düsseldorf.“ Sie muss über mein erstauntes Gesicht lachen. „Die Bezirke Berlins sind wie die Städte dort. Alle Städte in NRW sind sehr gut miteinander vernetzt, so dass man schnell überall hinkommt. Ich habe auch Freunde in Essen, in Düsseldorf oder in Köln. In Köln und in Düsseldorf habe ich auch mal gearbeitet. Da spielt es überhaupt keine Rolle, von wo du herkommst.“
Es ist eine sehr pragmatische Ansicht von Tieghisti, die ihr zweifellos als Gründern zugute kommen wird. Ich bin gespannt, wie sich das Startup entwickeln wird und sicher werden wir noch einmal darüber berichten. Im Sinne eines qualitätsvollen Tourismus, der Reisenden wie Einwohnern gleichermaßen zugute kommt, wünschen wir ihr viel Erfolg.

www.glofolio.com

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