Hier enstand schon bald das Kino BABYLON in Berlin-Mitte| Foto: Bundesarchiv Berlin, Wiki Commons

Was machen die Nachbarn? 90 Jahre Babylon Mitte.

Hier enstand schon bald das Kino BABYLON in Berlin-Mitte | Foto: Bundesarchiv Berlin, Wiki Commons
Das Kino kurz vor seiner Eröffnung 1929. / Foto: Bundesarchiv Berlin, Wiki Commons /

90 Jahre Babylon Mitte.

Von

Nachdem die Volksbühne mitten im Ersten Weltkrieg errichtet worden war, blieb der Bülowplatz für einige Jahre weitgehend unbebaut. Erst ab 1927 begann der Architekt der Moderne Hans Poelzig mit der Planung der Gebäude um den Platz. Als schließlich vor 90 Jahren das Gebäudeensemble eröffnet wurde, öffnete auch das Kino Babylon seine Pforten, zunächst noch als Stummfilmkino. Teddy, der Kommunistenführer Ernst Thälmann soll in der Kneipe, die sich früher vis à vis befand, Stammgast gewesen sein. Straßenschlachten sollen hier stattgefunden haben. Das erzählte man sich im „Klub 29“ auf der dem Babylon gegenüberliegenden Straßenseite in den 1980er Jahren. Genaues wusste keiner. Was aber erst nach 1990 im Osten Deutschlands bekannt wurde, war, dass der spätere MfS-Minister Erich Mielke genau auf diesem Platz 1931 mit einem Spießgesellen zwei Polizisten erschossen hatte und darauf in die Emigration gegangen war. Der Krieg ging nicht spurlos an den Gebäuden vorbei, Zerstörung und Aufbau veränderten das Antlitz des Platzes, der ursprünglich Babelsberger, dann Bülowplatz hieß, und dann nach Horst Wessel, dann nach Karl Liebknecht und schließlich nach Rosa Luxemburg benannt wurde. Das Kino blieb immer präsent. In den 1970er Jahren fand hier die Jugendkonzertreihe „Hallo Babylon!“ statt. Alte und weniger bekannte Filme wurden hier gezeigt, manche im Original mit Simultanübersetzung oder auch mit Free-Jazz-Begleitung, wie der Walther- Ruttmann-Film „Sinfonie einer Großstadt“. Als das Kino 1993 wegen Einsturzgefahr gesperrt wurde, glaubten viele an das Ende. Es war die Zeit des Kinosterbens im Osten. Für manche grenzte es an ein Wunder, dass es von 1999 bis 2001 saniert und denkmalgerecht rekonstruiert wurde. Einmalig ist auch, dass das Babylon das einzige kommunale Kino Berlins ist und öffentlich gefördert wird. Auch die Veranstaltungen, wie Stummfilme mit Klavier- oder Konzertbegleitung machen es zu etwas Besonderem. Immerhin beherbergt es die einzige in Deutschland am originalen Platz erhaltene Stummfilmorgel. Auch jetzt im März gibt es etwas Besonders: vom 21. bis 25. März 2019 präsentiert das Kino das internationale Fußballfilmfestival „11 Millimeter“ mit Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen rund um das Thema Fußball.

Was sagst Du dazu?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.