Titelbild mit Arnold Hackbarth | Foto: Giovanni Lo Curto

„Und natürlich gab es auch etwas zu essen.“

Friedrichshain in der Nachkriegszeit

Das Leben im Nachkriegsberlin war nicht einfach. Alles war auf der Suche nach Nahrung. „Wir hatten zu Hause ein paar Stück Seife aus Sand, die schön dufteten. So eins bot ich einem Pförtner im Schlachthof an, einem Sowjetsoldaten – die Sowjets hatten die Bewachung des Schlachthofs übernommen. Ich bekam ein Stück Brot dafür. Meine Schwester gab mir am nächsten Tag wieder ein Stück Seife, um daraus Brot zu machen, aber der Pförtner drohte mir schon aus der Entfernung. Er hatte geglaubt, ein richtiges Stück Seife bekommen zu haben.“
Ein anderes Mal, so erinnert sich Herr Hackbarth, wurden lauter Kühe durch die Hausburgstraße zum Schlachthof getrieben. „Die ganze Straße war voll mit Kuhdung. Wir wollten von den Kühen Milch abmelken, aber da kam nichts raus. Die waren klapperdürre, richtige Skelette.“
„Meine Schwester wohnte in der Schreinerstraße, in der Nähe des Hauses, wo sie den Werner Gladow geschnappt haben. Aber es gab auch kleinere, jüngere Jugendbanden, die von Diebstahl und Raub lebten, zum Beispiel in der Gabelsberger Straße. „Die nannten sich „die Gasse“ und waren sechs bis zehn Leute, die durch Friedrichshain zogen und den Kindern alles abnahmen: Geld, Stullen und so was. Erwachsene Männer gab es hier in der ersten Zeit nach dem Krieg kaum.“
Nach dem Krieg wurde es mit der Schule zunächst nicht besser. „Einmal hatten wir Schule in einem Gebäude im Hof an der Ecke Danziger Straße/ Landsberger Allee, wo jetzt die Neubauten stehen. Da gab es keine Türen und Fenster. Es war furchtbar kalt. Die Lehrerin gab uns nur unsere Aufgaben und dann konnten wir nach Hause gehen.“ Auch in der Hausburgschule waren keine Türen und Fenster mehr. „Ich erinnere mich, dass wir da einmal im Kreis auf dem Hof gesessen haben und Unterricht hatten.“ Die letzten Jahre bis Ende der Neunten Klasse lernte der junge Hackbarth in der Schule in der Pettenkoferstraße. Diese besondere Neunte Klasse in der Nachkriegszeit wurde für Schüler eingerichtet, die wegen des Krieges nur unregelmäßig die Schule besuchten und diente vor allem der Wiederholung des Schulstoffes der vorherigen Klassen. „Unseren Lehrer dort haben wir sehr gemocht. Er war nur ein paar Jahre älter als wir und hat uns gut angesprochen.“

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