Titelbild mit Arnold Hackbarth | Foto: Giovanni Lo Curto

„Und natürlich gab es auch etwas zu essen.“

Bei einer Veranstaltung des Reisebüros der DDR-Hauptstadt | Foto: privat
Bei einer Veranstaltung des Reisebüros der DDR-Hauptstadt in den 1970er Jahren. / Foto: privat /

Vom Kaufmann zum Tourismusfachmann

Nach der Lehre wurde Arnold Hackbarth Außenhandelskaufmann beim Deutschen Innen- und Außenhandel. „Wir hatten uns beim Arbeitsamt zu melden, als die Schule vorbei war. Da waren wohl um die dreihundert ehemalige Schüler, die ihren Berufswunsch dem Amt mitteilten. Ich hatte Glück, dass ich zu den zwanzig gehörte, die vom Deutschen Innen- und Außenhandel ausgewählt wurden.“. Doch weil sich bald abzeichnete, dass er mit seiner Westverwandtschaft beim DDR-Außenhandel keine großen Aufstiegschancen hatte, sattelte er beruflich um. „Ich hatte immer ein Interesse an Sport und Sportwettkämpfen und organisierte auch selbst welche mit.“ So stieg Herr Hackbarth in die junge DDR-Tourismusbranche ein und baute sie mit auf. „Das wurde zuerst von Ehrenamtlichen getragen“, erinnert er sich. „Es war nicht leicht, Leute dafür zu gewinnen. Und man musste mitunter alles machen, etwa Betten aufstellen und beziehen.“ Studenten oder andere Leute mit Fremdsprachenkenntnissen wurde gern genommen, „sogar Mediziner!“ Immer wieder gab es auch Schwarze Schafe, die versuchten, ihre Situation auszunutzen. „Damals haben die Reiseleiter eine Menge Bargeld mit sich rumgeschleppt, weil die Hotels sofort bezahlt werden mussten.“
Fünf Jahre Fernstudium Anfang der 1960er Jahre, je eine Woche im Monat in Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz, belasteten auch das Familienleben. „Meine Frau musste da ganz schön was leisten.“ Sie war als junges Mädchen mit ihren Eltern aus Neuruppin in die Weisbachstraße gezogen. „Da hab ich sie mir geangelt“, bemerkt Arnold Hackbarth lapidar. „Ich habe drei Söhne und zwei Töchter. Alle sind was geworden.“
Der Arbeitspatz des frischgebackenen Ökonomen für Fremdenverkehr war im Haus des Reisens am Alexanderplatz, das jetzt unter Denkmalschutz steht. Eine vielseitige Arbeit. Herr Hackbarth organisierte nicht nur Reisen, er konnte auch selbst als Fremdenführer einspringen. Fremdenverkehr war in der DDR organisiert und auch reglementiert. Es gab sogar eine eigene Abteilung für Tourismus beim Magistrat.
Für ihn kam die Wende 1990 zu spät, um sich selbstständig zu machen. „Vielleicht, wenn meine Tochter mitgemacht hätte. So aber nutzte er sein Rentendasein, um Reisen zu unternehmen. Manchmal verreist er noch für zwei-drei Tage, aber immer nur in Deutschland.
Den gegenwärtig in Friedrichshain ausufernden Tourismus sieht der Fremdenverkehrsökonom skeptisch: „Es kümmert sich keiner drum. Die Leute machen nachts Krach, viel geht kaputt. Manche benutzen den Spielplatz als Toilette!“ Das Problem der Achtlosigkeit einiger Touristen und falsch verstandenes Laissez Faire sind ein großen Problem geworden.
Menschen, die unsere Stadt nach dem Krieg aufgebaut haben, gibt es nicht mehr viele. Sie können uns dazu ermahnen, dass der Wohlstand, der uns umgibt, nicht selbstverständlich ist.

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