Heutiger Standort des Lehm- bzw. Blumenschlösschens | Foto. Giovanni Lo Curto

Lehmschloss – Blumenschloss

Der große Brand

Seinen besten Anzug trug übrigens auch Friedrich Nicolai, als 1809 der Turm der Petrikirche niederbrannte und die Bewohner der nahegelegenen Brüderstraße angesichts des Funkenregens das Schlimmste für ihre Häuser fürchteten. Der Turm der Friedrichs-Waisenhauskirche fing ebenfalls Feuer und brannte völlig nieder. In der Spree trieben zahlreiche brennende Holzkohlestücke. Im schönsten Ornat trat der Verleger seinem Schwiegersohn, der sich sorgenvoll durch militärische Absperrungen zur Brüderstraße durchgekämpft hatte, mit den Worten entgegen, dass alles weniger Wertvolle nun verbrennen möge, so es Gottes Wille sei.
In späteren Jahren wurde es ruhig in der Sommerresidenz. Nur noch selten besuchte der Großvater den großen Garten, fuhr am Sonnabend hinaus, blieb den Sonntag und fuhr am Montag früh zurück. „Sonntags früh sahen wir wohl bisweilen die lange hagre Gestalt des Großvaters durch den Garten wandeln, aber es fiel uns nicht ein, ihn zu begleiten, da wir vor seinem ernsten trocknen Wesen eine unüberwindliche Scheu empfanden.“Die herrliche Gartenpracht ist durch die alles zermalmende Walze des Mietskasernenbaus im 19. Jahrhundert zerstört und überbaut worden. Im Zweiten Weltkrieg gab es wieder Zerstörung und danach wieder Aufbau. Nichts erinnert mehr an das Kinderparadies.

Nicht dem Namen gerecht

Mit dem jüngsten Verkauf des Nicolai-Verlags im Februar 2016 wurde eine Etappe des Niedergangs eingeleitet. Das Verlagsprofil der neuen Eigentümerin lautet: Themen der Aufklärung für das 21. Jahrhundert definieren, zentrale Fragen der Gegenwart aufgreifen und in einem populärwissenschaftlichen Kontext publizieren. Was für eine geschwurbelte Darstellung! Publiziert wird Buntes, Seichtes, Beliebiges, allzu gut Verkäufliches – unter einem hochkarätigen Namen. Möge der Verlag noch lange Bestand haben, aber möge er sich vor allem wieder seiner großartigen geistigen und humanistischen Traditionen besinnen.

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