
Das Sport und Erholungszentrum.
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Wenn es die Begriffe Wellness und Spa bereits vor 36 Jahren in Friedrichshain gegeben hätte, sie wären ab dem 20. März 1981 im Bezirk überproportional oft gefallen. An diesem Tag öffnete nämlich das Sport- und Erholungszentrum an der Straßenkreuzung Leninallee / Dimitroffstraße (heute Landsberger Allee/Ecke Danziger Straße) seine Tore. Dessen Kurzname SEZ ging sofort in den Berliner Sprachgebrauch ein.
Die Entstehung war für DDR-Verhältnisse ungewöhnlich. Ein Bauexperte bezeichnete es einmal als Ufo, das auf einmal da war, einfach gelandet, ohne dass es die üblichen jahrelangen Planungen vorher gegeben hatte. Der Grund war, dass es praktisch eingekauft wurde. Den architektonischen Wettbewerb gewannen die Architekten Bernd Fundel, Klaus Tröger und Günter Reiß aus der Bundesrepublik. Errichtet wurde es innerhalb von zwei Jahren unter der Bauleitung von Erhardt Gißke.
Ein DDR-Baumanager
Erhardt Gißke, war ein hochkarätiger Baumanager, der Bauvorhaben wie den Palast der Republik, das Schauspielhaus, den Bettenturm mit Spezialklinikbereiche der Charité, den Ernst-Thälmann-Park mit Planetarium, den Pionierpalast, das Grandhotel und weiteres realisierte. Planung und Organisation lernte er in Friedrichshain in den 1950er Jahren, als er die Fahrpläne der Trümmerbahnen für den Neubau der Stalinallee erarbeitete. Sich durchzusetzen lernte er ebenfalls hier, indem der wuchtige fast Zwei-Meter-Mann einzelnen Brigaden, die Baumaterial in den Loren für ihre Planerfüllung abzuzweigen versuchten, das Fürchten lehrte.
Mit entsprechender Vollmacht ausgestattet, konnte er sehr resolut auftreten. Sein Betrieb Aufbauleitung Sondervorhaben war direkt an das Bauministerium angegliedert. Gegenüber Bedenken von hauptstädtischen Experten gegen ein Bauvorhaben seines Baustabes soll er einmal auf den Tisch geschlagen haben mit dem Spruch: „Hier baut nicht Berlin, hier baut die DDR!“ Damit verwies er seine Kollegen auf ihren Platz in der Hierarchie. War dies für Bauvorhaben, wie das SEZ durchaus hilfreich, hatten die Stadt und ihre Bezirke mitunter das Nachsehen: Verantwortlich war Gißke, der treu zur SED stand, auch für die Sprengung der Gasometer in Prenzlauer Berg.

Vielfältige Freizeitgestaltung
Das Spaßbad mit Sauna, Wellenbad, Solarium, Eisfläche, Hand- und Volleyballsälen, Gymnastikräumen, Bowlingbahnen, einem Café und einer Kneipe öffnete kurz vor dem X. Parteitag der SED, und die Zeitungen, die über das SEZ berichteten, wiesen immer auch gern darauf hin, wem die Berliner ihr neues Kleinod zu verdanken hatten. Dies taten sie auch im Juni 1981, als Wahlen anstanden. „Genau zwischen den Arbeiterbezirken Friedrichshain und Prenzlauer Berg“ bemerkte die Berliner Zeitung – und in der Tat waren diese Bezirke damals noch proletarisch geprägt. Das SEZ war ein voller Erfolg. Innerhalb von zwei Monaten wurde eine Million Besucher gezählt, statistisch gesehen war das die ganze DDR-Hauptstadt. Nach fünf Jahren war auf diese Weise fast die gesamte DDR zu Besuch gewesen, man verzeichnete ganze 16 Millionen Besucher. Am 23. Juli 1981 berichtet die Berliner Zeitung, dass die vorbestellbaren Bowling-Bahnen bis Jahresende ausgebucht seien, und verwies auf die vier Bahnen, die immer für den Publikumsverkehr offen standen. Selten, dass die Zeitungen über einen Missstand berichteten, aber das SEZ wurde mit Anfragen überschüttet. An diesem Tag, so berichtete die Berliner Zeitung, waren es bereits 2,8 Millionen Besucher seit der Eröffnung des SEZ.
Das Haus war nicht nur etwas zum Vorzeigen, es nahm in der Freizeitgestaltung vieler Berliner sofort einen festen Platz ein. Neben Schlankheits-, und Aerobic-Kursen, physiotherapeutischen Bewegungstherapien und Behindertensport gab es auch Rollschuhdisco für Kinder und Erwachsene, Mitternachtsschwimmen oder Federball. Das SEZ war auch Schauplatz regelmäßiger hochkarätiger Kulturveranstaltungen. Gisela May sang im Foyer oder Schauspieler des Deutschen Theaters führten Pantomime auf. Aber es gab auch Gesprächsrunden um den Sport, Olympia-Sportler stellten sich den Fragen des Publikums, Sportmediziner gaben Tipps über Fitness im Alter oder in Schwangerschaften.
Das FEZ konnte täglich besucht werden. Der Öffentlichkeit unbekannt blieb, was dies schon rein technisch für eine Herausforderung war. Allein die tägliche Reinigung des Gebäudes dauerte Stunden. Einmal im Jahr wurde das Haus für drei Wochen geschlossen und gewartet. Dies alles verhinderte nicht, dass die Apparaturen nach 15 Jahren Dauerbetrieb schlapp machten.
Das Bad wurde 2002 endgültig geschlossen. Unter der Bedingung, innerhalb von fünf Jahren ein Spaß- und Familienbad zu eröffnen, verkaufte das Land Berlin das Gebäude samt 50.000 Quadratmeter Gelände an einen Leipziger Bäderbetreiber.
Das Bad wurde nie gebaut und Senat und Abgeordnetenhaus sahen sich wegen uneindeutiger Formulierungen im Vertrag genaseweist. Frühzeitig hatte der Bund der Steuerzahler interveniert und er stellte, nachdem der Senat erst im Jahr 2013 unter Druck den Vertrag veröffentlichte, Strafanzeige wegen das Verdachts auf besonders schwere Untreue. Diese wurde vom Landgericht mit der Begründung abgewiesen, dass keine schuldhafte Tat zu erkennen sei. Köpfe rollten daher nicht, zumal auch das Abgeordnetenhaus zugestimmt hatte.

Interimslösung
Inzwischen geht der Betrieb im SEZ auf Sparflamme weiter: Hallensport, Bowling, Sauna und anderes. Von einst knapp tausend Mitarbeitern sind neun übriggeblieben. Zwischendurch wurde es auch mal als Ort für Kunst genutzt. Einem Abriss und einer Neubebauung durch den Eigentümer wird das Land nicht zustimmen, einem Rückkauf stimmt der Eigentümer nicht zu. Und käme das Land in den Besitz, so wäre es mit dem SEZ vorbei, denn bei ihm steht ebenfalls Abriss und Neubau mit Wohnungen auf dem Plan. Allerdings mit der Begründung: „Städtebaulich nicht mehr zeitgemäß“, wie die Bausenatorin gesagt haben soll, könnte man mindestens neun Zehntel der gesamten Bundesrepublik abreißen.
So scheint die Interimslösung die beste für das SEZ zu sein, das inzwischen auch bei Architekturfans Freunde gefunden hat. Erhalt und Wiedereröffnung wären das Mindeste, was den Friedrichshainern zusteht. Wer will, kann dies alles auch ohne Verlust betreiben. Wer will.