Stralau, Foto: Keilhaus | April 1950

Kirche, Fisch und zweifelhafte Festivitäten

Blick auf die Stralauer Kirche im Jahre 1833
Blick auf die Stralauer Kirche im Jahre 1833. / Gezeichnet von Wilhelm Loeillot. Wikimedia /

Eine überdimensionierte Kirche

Vielleicht hängt das Verschwinden der Stralauer Furt auch mit dem Spreestau am Mühlendamm zwischen Berlin und Cölln zusammen, der im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts den Wasserspiegel um bis zu 1,5 Meter steigen ließ. Wassernahe Gebäude mussten aufgegeben werden.
Seit 1358 ist das Dorf im Besitz der Doppelstadt Berlin- Cölln. Die heutige Kirche wurde nach 5-jähriger Bauzeit 1464 als namenloses Gotteshaus geweiht und ist mit Abstand die älteste Kirche in Friedrichshain. Ein hölzerner Vorgängerbau an ihrer Stelle auf dem ab 1411 bezeugten, aber möglicherweise viel älteren Friedhof, wird angenommen. Die Errichtung des steinernen einschiffigen Baus mit Kreuzrippengewölbe und polygonalem Chor aus Feld- und Backstein gibt bis heute Rätsel auf. Wer spendierte aus welchem Gründen diesem kleinen und armen Fischerdorf, das gerade einmal elf Familien beherbergte, eine Steinkriche?

Ähnliche Kirchenbauten in Berlin

Eng war die Verbindung zur Heiligen-Geist-Kapelle in der Berliner Spandauer Straße, deren Prediger oft auch Pfarrer von Stralau waren. Schon 1381 hatte Berlin an die Kalandsbrüder, die in der Heiligen-Geist-Gasse residierten, alle Rechte an Stralau und dem Stralauer See verkauft. Kein Wunder, dass auch bauliche Verbindungen bestehen: die gedrungen spitzbogigen Fenster, kurze Streben und die einschiffige Halle. Dagegen weist der polygonale, das heißt, der aus mehreren stumpfen Ecken geformte Chor Ähnlichkeit mit der Kirche von Reinickendorf auf, ebenso das Backstein­format, das auch in Lichtenberg und Pankow sehr ähnlich ist.

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