25 Jahre Friedenseiche

Friedenseiche an der Corinthstraße von Süden/ Foto: Dr.-Ing. Uwe Nübel /
Die Friedenseiche von Süden /Foto: Uwe Nübel/

25 Jahre Friedenseiche an der Corinthstraße

von Dr.-Ing. Uwe Nübel, Evangelische Kirchengemeinde Boxhagen-Stralau

Im November 1989 veränderte sich die Welt. Die evangelische Kirchengemeinde Zwingli-Stralau war nicht mehr „am Rande Ost-Berlins“ nahe dem Grenzübergang Oberbaumbrücke. Die Grenze nach Kreuzberg war durchlässig geworden. Friede schien in Sicht, weil die Blöcke bröckelten und das Gespräch zwischen den Welten war offen.
Vorher – in der DDR – waren solche offenen und vertrauensvollen Gespräche durch so genannte Partnerschaften zwischen Ost- und West-Gemeinden möglich, indem wir im Osten Besuch „aus dem Westen“ erhielten. So hatte auch Zwingli-Stralau Partnergemeinden in Berlin (West), in der Bundesrepublik und in Holland. In den Partnergemeinden Zwingli-Stralau; Hephatha in Berlin-Britz und in Wolfsburg wurde der Gedanke geboren, einen „Friedensbaum“ in unserer Gemeinde zu pflanzen.
Am 23. April 1990, nach der ersten freien Volkskammerwahl in der DDR war gerade ein Ministerpräsident gewählt worden, der praktizierender Christ ist, fuhren Frau Preisler vom GKR Zwingli-Stralau und Pfarrer Gutjahr von der Partnergemeinde Hephatha in Britz nach Wolfsburg, um mit Frau Hörning, der Initiatorin der Pflanzung von Friedensbäumen, dieses Vorhaben zu besprechen. In einem Gottesdienst mit Gemeindemitgliedern aus Zwingli-Stralau wurde dieser Plan als Zeichen von Dankbarkeit und Erinnerung beschlossen. Die Wolfsburger hatten Erfahrung, denn es sollte der 387. Baum in einer Reihe von Friedensbäumen sein, die seit 1984 in vielen Städten als Zeichen des Friedens gepflanzt wurden. Sie stehen in Israel, Russland, Griechenland, Holland, Italien und in Deutschland u.a. in Halberstadt und im Britzer Garten. Eine Tafel erinnert dort an die Aktion. Die DDR-Führung hat 1986 eine solche Pflanzung nicht genehmigt. Man pflanze ja selbst viele Friedensbäume. Diese Aussage spricht Bände!
Und welche Art von Baum sollte es jetzt sein? Natürlich eine Eiche, die ist standhaft und wird sehr alt. Frau Nübel beantragte im Auftrag der Zwingli-Stralau-Gemeinde beim Grünflächenamt in Friedrichshain die Pflanz­genehmigung, was sich als nicht so einfach herausstellte. Der Wunschort war die Verkehrsinsel – die heute keine Insel mehr ist – Persiusstraße Ecke Corinthstraße. Und es klappte. Die nächste Pflanzperiode war der Herbst, so wurde für die Pflanzung der 6. Oktober 1990 bestimmt.
Die politische Geschwindigkeit überholte unser Anliegen, einen Baum als friedensstiftende Verbindung zwischen Ost und West zu pflanzen. Die Wiedervereinigung fand bereits am 3. Oktober 1990 statt. Und so wurde der am 6. Oktober 1990 um 14 Uhr von einer kleinen Gruppe aus verschiedenen Gemeinden nach einer Andacht von Pfarrer Klose gepflanzte Baum nicht nur ein „Friedensbaum“ sondern auch ein „Vereinigungsbaum“!
Und er wächst und gedeiht, wie Jede und Jeder sich überzeugen kann.

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