Was machen die Nachbarn? Das ACUD ist bis heute ein Ort, den man gern besucht, immer wieder überraschend in seiner Kombination aus Frische und Kontinuität. | Foto: Kaspar Metz, Wikimedia Commens

Was machen die Nachbarn? ACUD – Veteranenstraße 21

Was machen die Nachbarn? Das ACUD ist bis heute ein Ort, den man gern besucht, immer wieder überraschend in seiner Kombination aus Frische und Kontinuität. | Foto: Kaspar Metz, Wikimedia Commens
Das ACUD 2006 / Foto: Kaspar Metz, Wikimedia Commons /

Haus im Nachbarort Mitte.

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1784 eröffnete Preußenkönig Friedrich II. das Invalidenhaus für Kriegsinvaliden und deren Familien, von dem der Name Invalidenstraße abstammt. Als sie 1874 verlängert wurde, suchte man nach einem passenden Namen. Gerade waren die sogenannten Deutschen Einigungskriege 1864-1871 zu Ende gegangen und hatten zahlreiche Opfer hinterlassen. Um etwas Nachhaltiges für sie zu tun (was nicht allzu viel Kosten verursachte), entschied man sich für den Namen Veteranenstraße.
In der Nummer 21, einer Mietskaserne fast am Zionskirchplatz, waren 1929 ganze 50 Haushalte registriert. Während des Krieges stürzte ein Bombenflugzeig vor dem Haustor auf die Straße, explodierte und zerstörte das Vorderhaus, wie auch umliegende Gebäude. Es wurde nie wieder aufgebaut. 1971 wurde das Haus unter die Verwaltung der Kommunalen Wohnungsverwaltung Mitte gestellt, 1984 ging es in Volkseigentum über. Wegen des starken Verfalls sollten 1986 die Hinterhäuser saniert werden. Doch stand es aufgrund der hohen Kosten, am Ende der 1980er Jahre auf Abriss.
Die andere Geschichte des Gebäudes begann 1990 in der Rykestraße 13, wo vier junge Leute drei leerstehende Wohnungen besetzten und am Silvesterabend eine Galerie eröffnen. Ihre Vornamen gaben dem neuen Kulturstandort den Namen: ACUD. Aus dem Stand erfolgreich, fanden bis zum Sommer 1990 sieben internationale Ausstellungen satt. Es entstand ein alternativer Kunstverein. ACUD sollte nicht nur Galerie sein, in dem Kunst gezeigt und diskutiert wird, sondern ein Raum, in dem sie entsteht, ein Kommunikationsort, Kneipe, Kino, Konzerthaus und Lebensmittelpunkt von Künstlern. Am Runden Tisch Kultur bot die Wohnungsbaugesellschaft dem Verein an, sich aus einem Pool von 50 Objekten ein Haus zur Nutzung auszusuchen. Man entschied sich für das Gebäude in der Veteranenstraße 21 und etablierte dort ein Kulturhaus mit zahlreichen Projekten.
Weil das Haus bis 1935 einen jüdischen Eigentümer hatte, wurde das Gebäude an die Erben rückübereignet. Nach langen nervendreibenden Verhandlungen mit utopisch hohen Kaufangeboten von windigen Spekulanten aus München, gelang der Kauf des Hauses durch die Nutzer mit Mitteln der Stiftung „Umverteilen! Für eine, solidarische Welt“, die selbst einst im Kreuzberger Besetzermilieu entstanden war.
Seitdem hat sich das ACUD zu einem international bekannten Kulturort entwickelt, mit Kino, Theater, Galerie, Bar, Konzerten und mehr. Es ist das einzige Kulturhaus, das eine Revolutionserrungenschaft ist. 2010 geriet der Verein in Zahlungsschwierigkeiten. Erst 2014 gelang es mittels eines Kredits, den Betrieb wieder zu sichern. ACUD ist bis heute ein Ort, den man gern besucht, immer wieder überraschend in seiner Kombination aus Frische und Kontinuität.
Am Donnerstag, den 29. November spielen im Club drei Bands, mit personellen Schwerpunkten in Berlin. Deren Sound erinnert ein Bisschen an die 80er Indie-Zeit (etwas, das die ACUD-Leute der ersten Generation in ihrer Jugend sicher gern gehört haben): Violet Fields, House of Light, Black Palms. „Scruff of the neck“ – am Kragen gepackt.

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