Astrid Schierloh vom Bioladen LPG Naturkost | Foto (Detail): Giovanni Lo Curto

Es ist eine Freude, das zu sehen

Frische Kräuter im Bioladen LPG Naturkost in der Krossener Straße | Foto: Giovanni Lo Curto
Gibt es wirklich nur in richtigen Bioläden: frische Kräuter aus der Region. / Foto: Giovanni Lo Curto /

Beträchtliche Unterschiede zwischen Bio-Anbietern

Im Mittelpunkt steht für die Ladeninhaberin nicht nur die Frage nach dem Umsatz, sondern auch, wie man mit den Produkten umgeht und wo man sie einkauft. Nicht alle Hersteller kommen in Betracht, darunter auch Unternehmen, die als Biopioniere angefangen haben und später an große konventionelle Ketten verkauft wurden. „Da gibt es manchmal Bedenken, wenn wir nicht mehr hinter deren Firmenpolitik stehen können. Wir wägen ständig ab, was noch geht oder ob wir auf diese Produkte wirklich verzichten können. Wir treffen eine kritische Auswahl, sind Filter für unsere Kunden. Was wir aber grundsätzlich nicht nehmen ist Ware, die per Luftfracht transportiert wird.“

In den Regalen steht bevorzugt Frisches. Das Angebot ist in den letzten Jahren breiter geworden. Fertigprodukte werden weniger angeboten. Viele vegane Produkte werden industriell hergestellt, worunter die Natürlichkeit leidet. Jetzt kommen auch die großen Fleischereien darauf, vegane Produkte herzustellen, weshalb man auf dem Markt zur Zeit kaum Soja-Rohstoffe und Halbprodukte findet. Auch die Kunden haben eine besondere Stellung. „Wir sind keine Genossenschaft, sondern eine Einkaufsgemeinschaft.“ Der Laden handelt mit zwei Preisen, die Mitglieder der Einkaufsgemeinschaft zahlen weniger. Das hat etwas Familiäres. „Inzwischen ist die Liste der Mitglieder auf etwa tausend angewachsen.“ Über die Jahre sind die Kunden anspruchsvoller geworden, auch vermögender. Druckstellen zum Beispiel werden weniger toleriert als früher, alles sollte immer verfügbar sein. „Die Friedrichshainer Kunden sind im Großen und Ganzen unkompliziert, es gibt weniger Ernährungsideologien oder esoterische Hintergründe als in Kreuzberg“, betont Frau Schierloh.

„Durch den täglichen Kontakt über Jahre entstehen schöne Verbindungen. Eben haben wir den Kindern noch Gummibärchen spendiert, jetzt gucken diese nur noch als Studierende in den Semesterferien vorbei.“ Geschätzt wird nach wie vor die qualifizierte Beratung, denn auch das Biosegment ist immer wieder Moden unterworfen. So gab es einmal einen Aloe- Vera-Hype oder es standen Aroniabeeren ganz vorn an. Wegen der Beliebtheit von Smoothies wird mehr Staudensellerie nachgefragt oder es gibt Grünkohl bereits im August, den es sonst erst nach dem ersten Frost zu kaufen gab.
Manche Trends erweisen sich als schädlich. Die weltweite Nachfrage nach Quinoa hat dazu geführt, dass sich die lateinamerikanischen Bauern ihr teures Naturprodukt selbst nicht mehr leisten können und sich schlecht von billigen Industrieprodukten ernähren. Die Zunahme an Getreidemilch führt ebenso zu steigenden Preisen. Es gibt auch umgekehrte Trends: Weizenkeimöl wird nicht mehr angeboten, weil das Getreide zu wenig ergiebig für dieses Produkt ist.

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