Tümmler im Ozean | Foto: Detlef Krenz

Viele Fische auf kleinem Raum?

Tümmler im Ozean | Foto: Detlef Krenz
Meerestiere gehören nicht in enge Schwimmbecken, sie brauchen die Freiheit der Ozeane.
/ Fotos: D. Krenz /

Streit um Ozeanium.

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Auf einem kleinen Schild steht zu lesen: „Die Anlage wird ab dem 11. Februar zurückgebaut.“ Die Anlage war ein Obdachlosencamp nahe der Rummelsburger Bucht. Auf deren Lichtenberger Seite gelegen, kampierten hier 81 Obdachlose. Angesichts dreier Toter, die in Berlin an Kälte und Entkräftung verstarben, war es geboten, dieses Lager aufzulösen. Eine humane Geste und ein Politikum. Das Areal wird zurückgebaut, um Platz für eine Touristenattraktion zu schaffen. Unmittelbar am Rummelsburger See, wo das Wasserstraßenamt „vor einem dauerhaften Aufenthalt auf dem Wasser warnt“, soll ein Meeresaquarium entstehen.
„Hier wird deutlich, dass die Achtung der Natur des Wassers direkt vor der Haustür beginnt. Unsere Aufgabe ist es, die Menschen für die Einzigartigkeit und Schutzwürdigkeit der Meere zu sensibilisieren,“ sagt Gabriele Thöne, Projekt-Direktorin von der Firma Coral World, die weltweit Meeresaquarien betreibt. Es geht jedoch weniger um eine Vermitlung von Lebensweisen der Meerestiere, sondern um eine gewinnorientierte Präsentation einer bunten Unterwasserwelt, die mit der Realität nichts zu tun hat. 99 Prozent der ausgestellten marinen Zierfische stammen aus Wildfängen, dabei überleben nur vier von fünf gefangenen Korallenfischen den Fang und Transport ins Ozeanium. In Gefangenschaft können Meerestiere wie Meeresschildkröten, die in ihrem natürlichen Leben große Strecken zurücklegen, diesem nicht nachgehen. In ihrem natürlichen Umfeld leben sie symbiotisch oder in Schwärmen oder halten Abstand voneinander. Im Ozeanium liegt die Todesrate der Tiere aufgrund von grassierenden Krankheiten und Verhaltensstörungen sehr hoch. Von den Besuchern unbemerkt, werden die verstorbenen Tiere durch neue Wildfänge ersetzt. Von einer Sensibilisierung für die Schutzwürdigkeit der Meere kann im Fall einer Einrichtung wie der Coral World nicht die Rede sein, die eher an eine Menagerie des 19. Jahrhunderts denken lässt, in der Tiere der Sensationslust willen präsentiert wurden. Örtliche wie überörtliche Initiativen votieren gegen den Bau der Coral World am Rummelsburger See. Über 28.000 Unterschriften wurden bereits gesammelt.

Wer mehr wissen möchte, kann sich an die Bürgerinitiative Rummelsburger Bucht für alle wenden. https://bit.ly/3hXM9tt

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