Bonbonherstellung in der Friedrichshainer Andreasstraße

Nicht nur Süßes

Andreashof in Friedrichshain | Quelle: Bundesarchiv Bild 183-83086-0001
Nach 1945 wurde im Andreashof keine Bonbonmasse mehr geknetet, sondern Wohnräume gestaltet / Quelle: Bundesarchiv Bild 183-83086-0001/
Wohnraumgestaltung in der Friedrichshainer Andreasstraße | Quelle: Bundesarchiv Bild 183-28307-0002
Neue Fenster wurden ebenfalls geplant / Quelle: Bundesarchiv Bild 183-28307-0002 /

Veränderungen

1935 stand der Andreashof fast leer. 1881 war mit dem Bau begonnen worden. Um eine zentrale Achse, die von der Andreasstraße zur Singerstraße führte, erfuhr der Fabrikhof bis zum Ende der 1890er Jahre erhebliche Erweiterungen. Nach dem Ersten Weltkrieg nahm die Zahl der Mieter nicht nur wegen der wirtschaftlichen Krisen rapide ab. So arbeitet für eine geringe Miete die Schmolka Kistenfabrik dauerhaft im Kellergeschoss, was baurechtlich untersagt war. Ende 1929 schloss die Gewerbepolizei diese Räume. Auf den politischen Druck hin musste die Mazzoth-Fabrik Herzog am 30. April 1937 ihre Arbeit einstellen. Die Kanold Grundstücksgesellschaft investierte zu wenig. Das spürte die Franz Bendix GmbH. Sie handelte mit Tischlerwaren und nutzte Räume, die seit 1888 nicht verändert wurden. Zur Holzveredelung wurden neben Lösungsmitteln Öl-, Nitround Bakelitlacke verarbeitet, ohne dass die Lackierräume eine Belüftung besaßen. In der Folge verlor Bendix seine Kunden an die Holzhandlung H & G Anders im gleichen Gebäudeteil und zog aus.

Ausgleich

1936 erzielte die Süßwarenindustrie Umsätze von über 1,4 Millionen Reichsmark. Über 142.000 Menschen wurden hier beschäftigt, die in 14 Lohnklassen eingeteilt waren. In der niedrigsten verdiente eine junge Arbeiterin einen Hungerlohn von 28 Pfennigen pro Stunde. 1943 stiegen die Gewinne der Kanold AG auf über eine Million Reichsmark. Doch am 23. November 1943 schlug eine Brandbombe im Andreashof ein und löste einen Großbrand aus. Wegen Wassermangels konnte der nicht gelöscht werden. Die Feuerwehr stand vor Ort, war aber angesichts der Hitze machtlos. Allerdings lagerten Rohmaterialien und Halbfertigfabrikate von Kanold in Kellern und die Geschäftsbücher waren in feuersicheren Gebäuden untergebracht. „Zur Befriedung von laufenden Verpflichtungen“ sollte die Produktion in einem Ausweichbetrieb weiter gehen und deshalb wurde beim „Hauptamt für Kriegsschäden“ Schadensersatz beantragt. Am 10. April 1945 zahlte das Amt 300.000 Reichsmark. aus.

Neuanfang

Zwischen 1946 und 1948 verlegten über 200 Industriebetriebe ihren Hauptsitz von Berlin nach Westdeutschland und Kanold seine Hauptverwaltung 1948 nach Duisburg. In Westberlin waren 1949 die blaugelben Packungen der Kanold-Sahnebonbons ein Renner. Jedoch, das Papier war Altpapier aus den aufgelösten Beständen der Firma und die Bonbons schlechte Imitationen. In den Andreashof, soweit er noch vorhanden war, zog 1949 die Berliner Niederlassung der Deutschen Handelszentrale Möbel und Holzwaren ein, dieser folgte im Jahr 1960 der Staatliche Handelsbetrieb Möbel Wohnraumgestaltung Berlin, aber schon 1959 wurden Teile vom Andreashof abgerissen. 1966, vom Andreashof war nicht mehr viel vorhanden, beantragte Heinrich Herzog, der jüngste Bruder der einstigen Gründer der Mazzoth-Fabrik Herzog ein Entschädigungsverfahren. Jedoch waren Firmenpapiere verloren gegangen. Wie in ähnlich gelagerten Fällen wurde Heinrich Herzog eine Entschädigung für den erzwungenen Verlust versagt.

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