Menschen: Frau Stender und Frau Becker vom Verein Kunst und Keramik Berlin Friedrichshain e.V. Müggelstraße 17, 10247 Berlin | Foto: | Foto: Giovanni Lo Curto

„Man fühlt sich wohl hier!“

Menschen: Kunst und Keramik Berlin Friedrichshain e.V. Müggelstraße 17, 10247 Berlin | Foto: | Foto: Giovanni Lo Curto
/ Foto: Giovanni Lo Curto /
Menschen: Kunst und Keramik Berlin Friedrichshain e.V., Müggelstraße 17, 10247 Berlin | Foto: | Foto: Giovanni Lo Curto
Können und Konzentration erfordert das Drehen an der Töpferscheibe – einerseits, andererseits kann man durch diese Arbeit einen Zustand der Entspannung, ja sogar der Kontemplation erreichen. / Foto: Giovanni Lo Curto /

Frau Stender und Frau Becker vom Verein Kunst & Keramik Berlin Friedrichshain e. V. in der Müggelstraße 17.

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Etwas Selbstgemachtes, Dauerhaftes, in den Händen zu halten, es um sich zu haben und täglich zu benutzen, ist ein schönes Gefühl. Es bestätigt unser eigenes Dasein und zeigt uns, dass wir einen Platz in der Welt haben, die wir selbst gestalten. Für manche mag dies etwas hochtrabend klingen, andere fühlen aber genauso.

Platz für das Hobby

Wie auch immer, es ist erfüllend, kreativen Beschäftigungen nachzugehen, wie es Hannelore Stender und Marie Becker tun. Mit ihnen habe ich mich in den Vereinsräumen des Vereins Kunst & Keramik Berlin Friedrichshain e. V. in der Müggelstraße 17 verabredet. Frau Stender, eine der „Dienstältesten“ des Vereins, empfängt mich an einem der Tische, denen anzusehen ist, dass an ihnen viel gearbeitet wird: etwas abgestoßen, aber stabil, genau richtig. Frau Becker hingegen, eine junge Frau etwa Mitte zwanzig oder dreißig Jahre alt, arbeitet an der Töpferscheibe. Wie ich erfahre, gehören die beiden zwei unterschiedlichen Gruppen des Vereins an. Aber der Reihe nach. Seit 1993 ist Frau Stender mit von der Partie. Damals war alles noch anders. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter gehörten einst zum Volkskunst-Studio Otto Nagel, das Teil der Volkshochschule in der Boxhagener Straße war. Vis à vis residierte an der Ecke Glatzer Straße der Glatz-Kasten. Ältere Friedrichshainer erinnern sich an die Galerie. Hier befand sich auch die Werkstatt, wenn auch etwas versteckt. „Ich wollte das einfach mal ausprobieren und schauen, was das mit mir macht“, erläutert Frau Stender. „Der damalige künstlerische Leiter Wolfgang Weber führte professionell in das Fach Keramik mit seinen vielen Möglichkeiten wie Plastik, Relief oder Töpfern ein. Wir konnten uns ausprobieren und jeder hat seins gefunden.“ 1998 gab die Volkshochschule die Räume auf und überließ dem Studio andere Räumlichkeiten, die sich allerdings als viel zu klein erwiesen. So gründete der Keramikzirkel einen Verein und suchte sich eigene Räume in der Müggelstraße. Endlich war auch genügend Platz für Ausstellungen da, von denen der Verein dann auch viele vorbereitete. Sogar eine Kindergruppe existierte und stellte bisweilen eigene Werke aus: etwa eine Wasserlandschaft mit bunt glasierten Fischen, Wasserpflanzen und Seeigeln. „Die Kinder sind heute alle groß und längst berufstätig“, lacht Frau Stender. „Wir hatten damals eine Frau, die die Kinder anleiten und das alles organisieren konnte. Schön wäre es, wenn wir wieder so etwas hätten.“

Menschen: Kunst und Keramik Berlin Friedrichshain e.V. Müggelstraße 17, 10247 Berlin | Foto: | Foto: Giovanni Lo Curto
Keine „Stehrumchens“, sondern nützliche und schöne Gegenstände: aufgebaute und farbenfroh glasierte Keramik von Frau Stender. / Foto: Privat /
Menschen: Kunst und Keramik Berlin Friedrichshain e.V. Müggelstraße 17, 10247 Berlin | Foto: | Foto: Giovanni Lo Curto
Vor dem Regal mit den Glasuren. Das ganze Univerum kann abgebildet werden -und manchmal sogar noch mehr. / Foto: Giovanni Lo Curto /

Sorgen und Genüsse des Vereinslebens

Ich schaue mich um. An den großen Ladenraum zur Straße schließt sich ein weiterer Raum an, in dem die halbfertige Keramik auf die Weiterverarbeitung wartet, wo Farben lagern und in dem der große Brennofen steht. Diesen zu betreuen erfordert Wissen und Vorsicht. Ein Ofen muss langsam abkühlen, etwa zwei Tage lang. Zwei Frauen des Vereins sind für die Brände zuständig, eine für die Gruppe Skulpturen, deren Produkte eine Temperatur von etwa 1040 Grad Celsius brauchen. Die Erzeugnisse der anderen Gruppe, die gedrehte Keramik herstellt, benötigen 1220-1230 Grad Celsius. Das sind die beiden Gruppen, auf die am Anfang verwiesen wurde. Aber beide nehmen lebhaft am Vereinsleben teil und ziehen gemeinsam am selben Strick, wenn es drauf ankommt. Gerade im vorletzten Jahr musste der Verein eine schwere Hürde überwinden. So schöne Räume im Bezirk, das weckt natürlich Begehrlichkeiten. Und weil Geschäftsräume nicht geschützt sind, lassen sich manche Eigentümer immer gern etwas einfallen, um die Miete zu erhöhen. Der Schock der letzten Mieterhöhung erforderte harte Verhandlungen und eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge. Dabei geht es den Vereinsmitgliedern nicht nur um die Kunst allein. „Es ist schön, etwas Selbstgemachtes zu Hause zu haben. Aber ich komme auch wegen der sozialen Kontakte“, sagt Frau Becker. „Natürlich weiß ich dann, dass man dienstags, wenn alle da sind, nicht so viel schaffen kann.“ Früher gab es noch mehr Exkursionen, etwa nach Glindow, einen Ziegelhof in der Nähe von Potsdam. Dort gibt es einen Ringofen, in dem die Keramik gleich gebrannt werden kann. Und es gibt auch Übernachtungsplätze. Wolfgang Weber bereitete die Teilnehmer vor, indem er sie aufforderte, Skizzen und kleine Plastiken aus Knete mitzubringen, damit sie vor Ort richtig loslegen könnten. Seit dem Rückzug des ehemaligen Leiters leiten sich die Vereinsmitglieder selbst an. „Wir tauschen unsere Erfahrungen aus.“ Die Organisation des Betriebs der Werkstatt ist denkbar einfach. Als Vereinsmitglied bekommt man einen Schlüssel, mit dem man jederzeit in die Werkstatt kommt. Um die zwanzig sind sie jetzt. Dazu kommen auch Künstler, die nicht im Verein sind und für ihre Arbeiten in der Werkstatt jeweils eine bestimmte Summe entrichten. Nach dem Ärger mit der erhöhten Miete richtete der Verein auch wieder eine Ausstellung aus. „Es wäre schön, wenn wir noch wachsen könnten“, sagt Frau Stender und betont: „Wir genießen die Zeit.“

Menschen: Kunst und Keramik Berlin Friedrichshain e.V. Müggelstraße 17, 10247 Berlin | Foto: | Foto: Giovanni Lo Curto
„Fridolin“ entstand in Glindow in der Nähe von Potsdam und lächelt jetzt im Garten von Frau Stender die Besucher an. / Foto: Privat /
Menschen: Kunst und Keramik Berlin Friedrichshain e.V. Müggelstraße 17, 10247 Berlin | Foto: | Foto: Giovanni Lo Curto
Geduld ist immer notwendig: Die geformten Keramiken müss langam trocknen, damit das Material keine Risse bekommt. / Foto: Giovanni Lo Curto /

Gelebte Vielfalt

Kunst löst Emotionen aus und lässt uns aktiv mit der Welt beschäftigen. Bei Volkskunst ist es genauso wie mit der “richtigen“ Kunst. Und genauso verschieden sind die Künstler in ihrer Gestaltung. „Es gibt bei uns welche, die wissen ganz genau, wie es am Ende aussehen soll“, sagt Frau Stender „Ich hingegen fange an, und schaue, was es mit mir macht und wohin die Reise geht.“ Elegant und fast meditativ erscheint es, wenn Marie Becker an der Töpferscheibe mit ihren Händen aus einem Tonklumpen eine Schale formt und ab und an die Hände befeuchtet. „Es sieht sehr einfach aus, wenn man jemanden an der Töpferscheibe zusieht“, erläutert sie. „Aber in Wirklichkeit ist es gar nicht so leicht. Man braucht seine Zeit, um es zu lernen.“ Frau Stender fügt hinzu: „Ich habe das Drehen auch ausprobiert. Aber ich baue lieber etwas auf. Ich liebe Pflanzen und habe inzwischen dreißig Übertöpfe. Und trotzdem fehlt mir manchmal der richtige.“ Es ist diese Vielfalt, die den Verein ausmacht. „Wenn es nach mir ginge, dann könnte es noch lange so gehen“, sagt Frau Stender. Dies kann man dem Verein nur wünschen. Wenn Sie mal reinschauen wollen:

www.keramikundkunst.de

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