
Ein alternatives Geschäftsmodell
„Ich habe mir auch viele Galerien im Westen der Stadt angesehen“, berichtet sie. „In manchen stehen nur sehr wenige Plastiken oder es hängen nur wenige Bilder an den Wänden. Dahinter steckt ein anderes Geschäftsmodell als unseres.“
Auf meine Nachfrage, ob sie Ärzte- und Anwaltsgattinnen meint, „Frauen von“ sozusagen, die sich mit einer eigenen Galerie verwirklichen wollen, geht sie nicht ein. Stattdessen berichtet sie, wie es in ihrer Galerie funktioniert. Die strikte Trennung von Verkäufern und Kunden sucht man hier vergeblich. Es gibt jetzt einen großen Freundeskreis, der die Galerie auch durch schlechte Zeiten begleitet und unterstützt. Man trifft sich auch zu Konzerten, Werkstattgesprächen, Feiern, macht sich auf neue Künstler und interessante Entwicklungen auf dem Kunstmarkt aufmerksam. Hinzu kommt die jahrzehntelange Bindung zu Künstlern, die den Kontakt zu Liebhabern und Kunden suchen. Etwa 50 Künstler und Werkstätten stellen bei ihr aus, längst auch Grafiker, die in der DDR unter bildende Kunst fielen. Von manchen Künstlern sind es inzwischen die Kinder, die in die Fußstapfen ihrer Eltern getreten sind. Nach wie vor beliebt sind die Stücke der Keramikerin Hedwig Bollhagen, deren 80. und 90. Geburtstag in der Galerie begangen wurde. Auch kommen junge Künstler und stellen ihre Werke vor oder man sieht sich die Absolventen der Kunsthochschulen an. Aber nicht nur das macht den Erfolg aus. „Wichtig ist die Fortbildung der Mitarbeiter.“ Dazu gehört die gemeinsame Fahrt zur Verkaufsmesse AMBIENTE nach Frankfurt, wie auch Werkstattbesuche und eigene Versuche an der Töpferscheibe. „Man muss ein bisschen mitreden können, muss wissen, wie so etwas funktioniert.“ Außerdem muss Kunst nicht teuer sein. Ab zehn Euro bekommt man schon ein Stück, und immer ist es etwas Einmaliges, Authentisches. Die hohen Preise gehen bis zu tausend Euro.
