Gordian Scholz aus der Lenbachstraße 7 | Foto: Giovanni Lo Curto

Wie soll so eine Stadt aussehen?

Mit Kunst- und Protestaktionen des Künstlerkollektivs Reflektor Neukölln gegen die wucherndenMIetsteigerungen in der Lenbachstraße 7 | Foto: Giovanni Lo Curto

Mit Kunst- und Protestaktione gegen MIetsteigerungen in der Lenbachstraße 7 | Foto: Giovanni Lo Curto
„Die Verdrängten“ von dem Künstlerkollektiv Reflektor Neukölln als Protest gegen Mietsteigerungen. Von 6,50€ auf 19,70€ in der Lenbachstr. 7. www.die-verdraengten.de
Foto: Giovanni Lo Curto

Eine bedrohliche Lage

Ich komme auf die Lenbachstraße zu sprechen. „Das Leben im Haus war problemlos. Es gab eine Hausverwaltung, die sich um Reparaturen kümmerte, auch mal eine moderate Mietenerhöhung, die aber verkraftbar war.“ Geändert hat sich alles durch den Verkauf des Hauses an Ioannis Moraitis im Jahr 2017. Mehrmals wechselte die Verwaltung. Damit änderte sich auch der Service. Besser gesagt, er wurde fast eingestellt: Das Treppenhaus wurde nicht mehr gereinigt und Reparaturen blieben aus. „Wir haben den Eigentümernamen gegoogelt und festgestellt, dass er mit dem des Investors identisch war, der den Gemüsehändler Ahmed Caliskan im Kreuzberger Wrangelkiez gekündigt hat. Das war ja stadtbekannt. Da wurde uns schon mal mulmig.“

Mit Kunst- und Protestaktione gegen MIetsteigerungen in der Lenbachstraße 7 | Foto: Giovanni Lo Curto
Die weißen Puppen stehen für Menschen, die inzwischen unsichtbar geworden sind, weil sie vertrieben wurden. Flüchtig eingepackte Gegenstände symbolisieren Dinge des Alltagslebens.
Foto: Giovanni Lo Curto

„Ende Dezember erreichte uns die Sanierungsankündigung.“ Gerade noch rechtzeitig vor Inkrafttreten der Mietpreisbremse – die kaum diese Namen verdient. Sie lässt immer noch zu hohe Mietsteigerungen zu und verliert ohnehin nach sechs Jahren ihre Wirkung. Angst und Hilflosigkeit waren die ersten Reaktionen. Aber dann besannen sich die Mieter, suchten nach Unterstützung und fanden sie unter anderem beim Mieterverein. Eigentümer ist die F-22 Projekt GmbH, dieselbe, die der in der Samariterstraße 8 und in der Pankower Maximilianstraße 46 mit genau denselben brachialen Methoden Einwohner und Geschäftsinhaber aus ihren Häuser vertreibt. Hinter dieser steht die Fortis GmbH, eine Projektentwicklungsgesellschaft, deren Geschäftsmodell darin besteht, die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt ohne Interesse an den Menschen in den Wohnungen und im Wohnumfeld auszunutzen.

Nach schlechter Presse gibt man sich konziliant: eine Geschäftsleiterin in der Samariterstraße darf nun etwas länger im Laden bleiben.

Eingeladen hat die Hauseigentümerin zu einem einstündigen Informationsgespräch im April, zu dem nur eingeladene Mieter erscheinen dürfen. „Was soll denn bei so vielen Mietern und den vielen offenen Fragen in einer Stunde besprochen werden?“, fragt Gordian. Die Öffentlichkeit ist über die extrem unsozialen Projekte der Eigentümer beunruhigt. Längst sind die grassierenden Mietenerhöhungen in Berlin kein Einfache-Leute-Thema mehr. So lange die Politik keine wirksamen Mittel zur Eindämmung dieser Entwicklung beschließt, wird auch die Diskussion über die Enteignung unsozialer Wohnungseigentümer, die den gesellschaftliche Frieden stören, weiter befeuert.

Für die Mieter des Hauses Lenbachstraße 7 hat dies alles einen positiven Aspekt. „Man nimmt sich wieder als Nachbarn wahr, informiert sich und unternimmt gemeinsam etwas.“ Ein schönes Nebenprodukt, möchte man sagen, doch ohne die dauerhafte Sicherung der Mietverträge durch annehmbare Mieten wäre auch dies nur wenig wert.

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