Für Solidarität und Anarchie

Quelle: Archiv der Gustav Landauer Denkmalinitiative

Quelle: Archiv der Gustav Landauer Denkmalinitiative
Ankündigung von Vorträgen Gustav Landauers bei Friedrichshainer Stadtteilgruppen aus der Wochenzeitung „Der Freie Arbeiter“ vom 27. November 1913 und 22. Mai 1914. Wöchentlich organisierten die anarchistischen Stadtteilgruppen Vorträge und Diskussionsrunden, bei denen Landauer häufig als Redner eingeladen wurde. Meist beteiligten sich 15 bis 50 Personen, oft auch Mitglieder der SPD und Bürgerliche. / Quellen: Archiv der Gustav Landauer Denkmalinitiative

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Für ein besseres Leben

Wegen seines politischen Engagements geriet Landauer selbst in die Mühlen der Justiz, weshalb er sich zeitweise aus der anarchistischen Bewegung zurückzog. 1908 gründete er den „Sozialistischen Bund“ und hielt zwischen 1911 und 1914 mehrere Vorträge vor Stadtteilgruppen in Friedrichshain. Hierbei trat er für die Begründung einer selbstbestimmten Ökonomie, gerechte globale Wirtschaftsverhältnisse sowie selbst­bestimmtes Wohnen und Leben ein. Diese Anliegen, die er stets mit der Aufforderung verband, schon jetzt zu beginnen und sofort das Mögliche zu tun, haben nichts an Aktualität verloren. Sie verbinden uns noch heute mit Landauer, der zu einer Zeit Alternativen aufzeigte, als für viele die repressiven Zustände des Kaiserreichs als „alternativlos“ galten.
In den letzten Jahren erlebte das Werk Gustav Landauers (1870–1919) eine umfassende Wiederentdeckung in Wissenschaft und basisdemokratischen Gruppen. Damit wird seine Bedeutung als herausragender Kulturpolitiker, politischer Philosoph und Publizist der frühen Moderne unabweisbar. Lange lag die Wahrnehmung Landauers einseitig auf seine Beteiligung an der ersten Phase der kurzlebigen Münchner Räterepublik und seine grausame Ermordung durch rechtsgerichtete Soldaten am 2. Mai 1919. Sein Wirken in Berlin zwischen 1889 und 1917 hingegen war bis zum Erscheinen der umfangreichen politischen Biographie von Tilman Leder 2014 kaum bekannt. Die 2015 gegründete Gustav Landauer Denkmalinitiative will diese Wahrnehmung korrigieren, zu seinem 100. Todestag eine öffentliche Würdigung Landauers im Berliner Stadtraum erreichen und so zugleich das Freiheitsstreben der libertären Bewegung jener Zeit in Erinnerung bringen.

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