Waehrungsunion Bankschalter,Quelle: FHXB Museum

Handel im Wandel

Waehrungsunion Bankschalter,Quelle: FHXB Museum
Neues Geld – neues Lebensgefühl? / Quelle: FHXB Museum /

Ende mit Fragezeichen

Nur ein wenig Ordnung in der Unordnung erlebte der 35-jährige Henry Scheil. Von klein auf hatte er das Handwerk seines Vaters gelernt und bestand 1981 die Prüfung zum Böttchermeister. Es lief super. Saunabecken, Gurkenfässer und Pflanzenkübel aus Holz waren sehr gefragt. Vor allem aber Weinfässer, denn die Werkstatt von Henry Scheil lag auf dem Gelände der Berliner Weingroßkellerei an der Landsberger Allee, damals noch Leninallee. Hier befand sich immerhin das größte Weinlager der DDR. Über die Treuhandgesellschaft kam das Gelände an einen Investor. Der schickte dem Handwerker eine Kündigung mit der Drohung, den Strom zu kappen. Weder lagen belastbare Unterlagen noch eine Baugenehmigung für den Investor vor. Henry Scheil blieb hart, ignorierte zwei Räumungstermine und suchte nach neuen Werkstatträumen. Leider ohne Erfolg. In seiner Not ging er zur Wohnungsbaugesellschaft Friedrichshain (WBF). Die Haltung von Torsten Tragsdorf, dem Vorsteher des Gewerbeamtes, war,  jenen Unternehmen eine Perspektive zu geben, die aufgrund von Investvorhaben oder Baumaßnahmen Gefahr liefen, verdrängt zu werden. Im Verbund mit dem Gewerbeamt wurde die Arbeitsgruppe „Gewerbeverlagerung“ gegründet. Tragsdorf sagte: „Private Vermittler wenden sich wegen höherer und schnellerer Renditen an Unternehmensberater, Rechtsanwälte und Apotheker. In der Innenstadt sind nur wenige Räumlichkeiten für traditionelle Handwerker geeignet.  Im Fall von Böttchermeister Scheil, der keine Bestellungen von großen Betrieben bekommt, der wegen seiner unsicheren Raumfrage langfristige Aufträge derzeit abschlägt, der Gefahr läuft, gegenüber lukrativeren Gewerben bei der Mietzahlung nicht mithalten zu können, bei ihm wird die Hilfe des Bezirksamtes notwendig. Unser Ziel ist es, eine Lobby für das produzierende Gewerbe zu schaffen“. Durch die Vermittlung über das Gewerbeamt konnte Henry Scheil eine leerstehende Tischlerei in der Scharnweberstraße 2 übernehmen. Heute gerät dieser Mix aus Immobilienmanagement und mittelständischem Unternehmertum, der 1990 half, Arbeitsplätze zu bewahren, wegen seiner Interessenlagen in die Kritik.

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