Waehrungsunion Bankschalter,Quelle: FHXB Museum

Handel im Wandel

Antworten auf Fragen

Elmar Pieroth, seit Juni 1990 im Magistrat als Wirtschaftsstadtrat und Bundesvorsitzender der Mittelstandsvereinigung der CDU/CSU, schätzte nach seinen Worten die Qualität von DDR-Produkten. Er sagte: „daß Berlin seit dem Mauerfall ein Magnet für westdeutsche und europäische Investoren ist. Leider wollten nur 8,5 Prozent ihr Geld in den produzierenden Bereich stecken. Aber viel wichtiger als die Investoren von außen wäre das, was die Berlinerinnen und Berliner aus eigener Kraft schaffen“. Allerdings, „die Sachsen gründen drei bis fünfmal häufiger als die Berliner eine Firma“. Kein Argument für ihn wären fehlende Gewerberäume. Eine 60köpfige Arbeitsgruppe konnte aus 460 Objekten 135 als leer ermitteln. Läden in guter Geschäftslage wurden offiziell für 15 Mark pro Quadratmeter an den „Konsum“ vermietet. Böse Zungen wisperten  allerdings von 0,50 bis einer Mark fürs Quadrat. „Rückrat wäre unbedingt notwendig“, sagte Pieroth, „denn fast der gesamte Handel konnte zum Beispiel den Offerten der großen westdeutschen Handelsunternehmen nicht widerstehen“. Hierfür hatte Pieroth einen guten Tipp auf Lager: „Alle drei Wochen für die Joghurtschachteln ein neues Outfit. Für Hemden alle drei Monate.“

Frage nach dem Woher

In der Kaufhalle Singerstraße fand Pieroths Empfehlung zum schnellen Verbrauch seine Anwendung: beim Warenverhältnis West-Ost 80 : 20 lagen Mehl, Zucker, Marmelade, Feinwaschmittel, Tütensuppen, Kopfwaschmittel aus dem VEB zwar nicht auf dem Wühltisch, aber in der „Billig“-Gitterbox. Reichlich und preiswert war das Frischfleischangebot am Fleischstand der Konsum-Kaufhalle in der Rigaer Straße, die vom Berliner Fleischkombinat beliefert wurde.  Neue Ware zu besorgen wurde aber wieder zum Abenteuer. In großem Tempo verschwand der einstige Großhandel. Entweder abgewickelt oder unter Treuhand. Bis zum Jahresende 1990 verloren über 4.400 Berliner Konsum-Mitarbeiter ihre Arbeit. 1998 gab Elmar Pieroth wegen Amtsmüdigkeit seinen Posten auf. Der Hintergrund: in den Weinen seines Handelsunternehmens wurde Glykol entdeckt. Eine Chemikalie, die dem Wein mehr Süße gibt.

Was sagst Du dazu?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.