Der Helenhof gegenüber dem früheren Apollo-Kino, Foto: Giovanni Lo Curto

Der schicke Helenenhof, Georg Noack im Glück, Herr Jaehn und Frau Patzer

Hauseingang Helenhof | Foto: Giovanni Lo Curto
Der Helenenhof war eine Exklave der Kleinbürgerlichkeit im Arbeiterbezirk Friedrichshain. / Foto: Giovanni Lo Curto /

Rettung per Heirat

Georg Noack wohnte in der Sonntagstraße 1, war Bauarbeiter und bis 1933  Stadtverordneter der KPD. Täglich ging er in der Zeit der Wirtschaftskrise zwischen 1929 und 1933 zur Stempel- und Zahlstelle des Arbeitsamtes in der Boxhagener Straße 76-78. Er agitierte Arbeitslose für die KPD, auch als diese schon verboten war. Bis zu seiner Festnahme im Juni 1934 stand Noack unter Beobachtung der Gestapo. Im September 1935 wurde er wegen „führender Leitertätigkeit im Bezirksverband Berlin-Brandenburg“ zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Frei kam er danach nicht, sondern 1940 ins Lager Sachsenhausen. Hanna Sauer, seine Freundin, ließ den Kontakt nicht abreißen. Sie war von der Idee ergriffen, ihren Georg zu heiraten. Trotz massiver Drohungen und Schwierigkeiten setzte sie sich durch. Am Morgen des 7. April 1943 sollte Noack „ans Tor kommen“. „Zur Verschickung in ein Todeslager“, dachte er. Doch vom Tor wurde er zu einer ganz normalen Dusche geführt, danach zum Rasieren geschickt und durfte einen Zivilanzug anziehen. „Ein perfides Spiel“, vermutete Noack, als er zum im Lager gelegenen Standesamt Oranienburg Zwei geführt wurde. Hier stand er seiner künftigen Frau Hanna, seinem Bruder Herrmann und Hannas Mutter gegenüber. Für zwanzig Minuten, für die Heiratsformalitäten, war Georg im „normalen Leben“. Das erste, was er im Block zurückgekehrt hörte, war: „Die Hochzeitsnacht wirst du Kommunistenschwein nie erleben“. Aber die Liebe besiegte den Hass. Noack überlebte das KZ und war später Stadtrat in Lichtenberg.

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