Kirk Schoormann, Geschäftsführer des Berliner Schiffskontors, Foto. Giovanni Lo Curto

„Wir machen alles, außer Linienschifffahrt.“

Kirk Schoormann arbeitet am Unterwasserschiff seines Hausbootes, Foto: privat
In den 90er Jahren: Kirk Schoormann arbeitet am Unterwasserschiff seines Hausbootes. / Foto: privat /

Vom Schildermaler zum Schiffsknecht

Wir lassen uns im Heck der „Arcona“ nieder, die seit 1905 vor allem als Ausflugsdampfer auf Berliner Gewässern unterwegs ist. Vom Rummelsburger See weht eine leichte Brise. Wir trinken Kaffee und plaudern. Aufgewachsen ist Kirk im niedersächsischen Hameln, nach Studienjahren in Göttingen zog es ihn nach Berlin. Wer in Berlin seinen Hauptwohnsitz hatte, musste nicht zur Bundeswehr. Das war auch ein Grund, weshalb Kirk  als abgelehnter Kriegsdienstverweigerer nach Berlin zog. Zunächst hielt er sich mit Jobs in der Gastronomie über Wasser und machte dann eine Ausbildung zum Schildermaler. Schildermaler als Ausbildungsberuf? Schilder- und Lichtreklamehersteller war die offizielle Bezeichnung. Heute würde man wohl Werbetechniker sagen, und gestaltet wird ausschließlich am Computer. In den 80ern war das nicht so,  Schilder für Veranstaltungen, Werbung, Messen und Filmproduktionen wurden per Hand gemalt und geschrieben. Erst angestellt, später freiberuflich arbeitete Kirk in den 90er Jahren in diesem Beruf. Über Freunde und die Arbeit entwickelten sich gute Kontakte nach Babelsberg, so dass Kirk als Freiberufler oft Filmkulissen mitgestaltete. „Das hat viel Spaß gemacht! So akribisch genau tolle sinnlose Dinge zu bauen. Zum Beispiel haben wir für einen Märchenfilm auf einem Raddampfer die Takelage nachgebaut. Alles musste originalgetreu aussehen, als wäre es das vollständige Schiff, die Masten, die Wanten. Wir mussten vorher genaue Zeichnungen anfertigen.“
Stralau entdeckte Kirk nach der Wende. „Mitte der 90er war hier ja noch viel Industrie auf der Insel, das Ufer lag voller Schubverbände, fast die gesamte Binnenflotte war ja in der Rummelsburger Bucht zuhause. Hier überall war ja Werft.“ Der Steg, an dem jetzt die Boote des Schiffskontors liegen, gehörte zur „Deutschen Binnenwerft“, es war der Verholsteg. Drei Slipanlagen gehörten zur Werft, also schienengebundene Wagen, auf denen auch große Schiffe aus dem Wasser gezogen werden können. „1996 haben wir hier eine Weinverkostung auf einem Schiff gemacht, auf der Rival, die lag hier am Steg, eine Tjalk von 1912. Und daneben lag ein altes Wohnboot. Das habe ich dann gekauft und als Hausboot ausgebaut.“
Und da entstand die Idee für das Schiffskontor? „Als die Werft 1998 geschlossen wurde und das hier Entwicklungsgebiet wurde, haben wir uns überlegt, an dieser Stelle einen Bootsverleih mit Segelschule und Café zu betreiben und haben das der Projektgesellschaft vorgeschlagen.“  Den Steg und die Wasserfläche hat das Schiffskontor seitdem vom Bundeswasserstraßenamt gepachtet. „Vielleicht“, ergänzt Kirk „hat es ja auch mit meinem Namen zu tun, Schoormann. Schoor ist ja die Küste und mein Vater hat mal Ahnenforschung betrieben und herausgefunden, dass einer unserer Vorfahren ein Schiffsknecht war. Das bin ich ja jetzt sozusagen auch.“

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