„Macht einfach. Wird schon.“

Bob Rutman | Musiker, Künstler, Berliner

Stand man in den letzten 30 Jahren plötzlich vor schweren, geschwungenen Stahlplatten die sich stachelbewehrt in das Bild schoben, dann standen die Chancen gut, dass dahinter ein verschmitzter, kleiner Kerl, mit listigen Blick und einem Geigenbogen bewaffnet, hervorlugte.

Bob Rutman, 1931 als Kind einer jüdischen Mutter geboren und mit ihr 1938 emigriert, war 1990 in seine Geburtsstadt zurück gekehrt. Bob, ein Pionier der Multimedia- Performance, entwickelte 1968 das Steel Cello, eine aus vorgebogenen Metalltafeln und frei schwingende Stäben bestehendes Konstruktion, die mit einem Geigenbogen bespielt werden kann. Und wie sein Wunderwerk, halb Skulptur, halb Instrument, war auch Bob immer ein wenig von allem. Musiker, Maler, Komponist und Performer.

Berlin war wie ein Rad, das sich drehte. Alles war in Bewegung, aber die Menschen bewegten sich auf dem Fleck – es gab keine Richtung, kein Ziel.

Zu Berlin, seiner neuen, alten Heimat, pflegte er ein ebenso liebevolles wie lästerndes Verhältnis. Hier lebte er, in Mitte, von 1990 bis heute. In zahlreichen Events kooperierte er u.a. mit Robert Wilson, den Einstürzenden Neubauten, Heiner Goebbels und Wim Wenders. Getreu seinem Rat an die Berliner Jugend: „Macht einfach. Wird schon.“ war er dabei immer zu Experiment und Improvisation bereit.

Bob ist am 2. Juni 2021 um 9:02 Uhr gegangen. Er ist friedlich eingeschlafen.

video artyesno

Am 10. November 2017 trat Bob, gemeinsam mit Mark Reeder, Wolfram Spyra, Teresa Riemann, der Band Zerfall und dem Publikum in der Galiläa Kirche in der Rigaer Straße auf. Ein kakophonisches Klang-Vision-Happening, ganz im Sinne von ihm, dem multimedialen Tausendsassa aus Berlin.

Wir werden ihn vermissen.

 

Website von Bob Rutman

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