Nähmaschine | Quelle: Bundesarchiv_Bild_183-27080-0002

Schwierige Rettung

Die eigene Nähmaschine | Quelle: Bundesarchiv_Bild_183-27080-0002
In einer Zeit der Zigarettenwährung war der Besitz einer eigenen Nähmaschine von goldenem Wert. / Quelle: Bundesarchiv_Bild_183-27080-0002 /

Nähstuben in Friedrichshain.

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Unmittelbar nach Kriegsende war der Gemeindesaal Memelerstraße 54 (Marchlewskistraße) ein erster Veranstaltungsort im Bezirk. So am 16. Oktober 1945. Ottomar Geschke vom Verband Opfer des Faschismus (ODF) beklagte: „5.680 Kinder leiden im Bezirk unter Hunger. Über die Hälfte besitzt weder wetterfestes Schuhzeug noch ausreichende Unterwäsche. Krätze, Kleiderund Kopfl äuse grassieren, da Seife und Waschmittel fehlen. Schlimmer noch, 268 Kinder sind geschlechtskrank. Der ODF-Hauptausschuß möchte unter dem Motto ‚Rettet die Kinder‘ mit Ämtern, Ausschüssen, Parteien, Gewerkschaften und kirchlichen Hilfsorganisationen eine große Hilfsaktion durchführen. Jedes Kind soll etwas zum Essen, ein warmes Kleidungsstück bekommen. Dazu ein Spielzeug, das nicht den Geist der Zerstörung weckt, sondern den Sinn für ein friedliches Dasein.“ Geschke schloss seine Rede mit: „Die Kinder sind der unschuldigste Teil des deutschen Volkes, der durch ein dunkles, ödes Tal des militaristischen Stumpfsinns getrieben wurde.“

Bekleidungshilfe

Für eine Bekleidungshilfe auf sozialer Grundlage erhielt im August 1945 die Nähstube am Ostbahnhof 500 Kilo Spinnstoffe. Elli Schmidt vom Bezirksfrauenausschuss, der die Nähstube ins Leben rief, sagte bei der Übergabe: „Sie, die Frauen, haben nicht nur Rechte, sondern auch Verpflichtungen.“ Mit fünf Nähmaschinen gingen die sieben Frauen der Nähstube daran, Wäschestücke für die ausgebombte Bevölkerung auszubessern. „Mit heißem Eifer und Musik geht alles besser!“, schrieb ein Journalist und versicherte: „Zu festen einheitlichen Preisen entstehen praktische Bekleidungsstücke verschiedener Art.“
Die Initiative Bekleidungshilfe lief Anfang Oktober 1945 aus. Ihr folgte die Initiative „Rettet die Kinder“. In schneller Folge eröffneten Nähstuben, die der Initiative zuarbeiten sollten, etwa eine in der Mirbachstraße 49 (Bänschstraße), die acht sozial gefährdete junge Frauen beschäftigte. Oder eine in der Pettenkoferstraße 20. 17 Frauen arbeiteten hier, aber nur vier an Maschinen. Diese Nähstube erfüllte Aufträge für die sowjetische Besatzungsmacht. Außerdem fertigte sie Kleidung für Waisenmädchen an. Ihre Stoffe bezog sie aus der Schweiz. Daraufhin rief die KPD ihre Mitglieder zur Spinnstoffsammlung auf und konnte am 19. Oktober 1945 eine große Menge Spinnstoffe an die Nähstuben übergeben. Das Material, das anderswo fehlte, stammte aus ehemaligen Heeresbeständen. Daraufhin verzeichneten einige Nähstuben Einbrüche, Diebstähle, sogar Brandstiftungen. Am 5. November 1945 gab Frau Senftleben (SPD) vom Bezirksfrauenausschuss zu: „Die geplante Massenbescherung wird ein Fiasko erleiden, es wird zu wenig bis gar nichts geliefert!“ Die Bezirksleitung der KPD verkündete jedoch: „Schon am 10. November werden 2.000 Kinder beschenkt!“, und musste am 21. November 1945 eingestehen: „Eine Bescherung von 30.000 Kindern ist nicht möglich!“ Immerhin, die Nähstube Pettenkoferstraße lieferte 300 Kleidungstücke. Sie wurden im Reichsbahnausbesserungswerk Berlin in der Revaler Straße an 350 Kinder verteilt – ein Misserfolg aus Sicht der KPD-Bezirksleitung. Er wurde dem politisch zu gemischten Bezirksfrauenausschuss zugeschrieben. Ein Ausstieg verbot sich, wie aus einem Memo hervor geht: „Gewiss haben wir als Bezirksfrauenausschuss einen Betrag vom 20.000 Mark vom Magistrat zur Verfügung gestellt bekommen, den wir nur als Nähstube der KPD bestimmt nicht bekommen hätten.“

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