Hier wurden die Skelette entdeckt | Foto: privat

Mehr als ein Fall für die Tagesschau

Schädelfund | Foto: privat
Auf dem Display der Kamera ist ein frisch ergrabener Schädel zu erkennen.
Die gut erhaltenen Zähne weisen darauf hin, dass es sich um einen jungen Menschen handelt. / Foto: privat /

Erneute Anfrage

Einige zeigten sich dazu geneigt, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Wer weiß, was da wirklich gefunden wurde und ob da nicht doch vielleicht ein Missverständnis vorlag? Aber dann schickte Frau L. Fotos, die sie mit ihrem Handy gemacht hatte. Sie zeigen das Kameradisplay des Mannes vom Kampfmittelräumdienst, auf dem sehr deutlich ein menschlicher Schädel zu sehen ist.
Während man noch darüber nachdachte, wie weiter vorzugehen sei, meldete sich ein Mitarbeiter des FHXB-Museums: „Es wurde mir nun doch bestätigt, dass es die Leichenfunde gab und auch polizeilich bearbeitet werden, zuständig ist die Polizeidirektion 6 Treptow-Köpenick, daher wussten die in Kreuzberg/Friedrichshain nichts davon. Man wird sich schriftlich oder telefonisch bei mir in nächster Zeit melden mit weiteren Infos dazu. Das kann durchaus noch etwas dauern.“
Das war am 28. März. Am 23. August fragte ein Kollege vom Stralauer Geschichtspfad bei der Polizeidirektion 6 Abschnitt 65 in Treptow nach: „Im Zusammenhang mit dem Geschichtspfad über Stralau, der in Zusammenarbeit mit dem Friedrichshain-Kreuzberg-Museum und durch die Förderung der Lottostiftung Berlin entstand, sind wir an der Aufklärung dieses schrecklichen Fundes sehr interessiert. Außerdem werden wir des öfteren danach gefragt. Gern würde ich mit einem verantwortlichen Mitarbeiter darüber sprechen.“ Kurz darauf meldete sich ein freundlicher Beamter und teilte bedauernd mit, dass ein solcher Vorgang nicht bekannt sei.

Es geht um Menschen

Darauf wandte sich der Mitarbeiter an die Polizeidirektion 5, Abteilung 51 in der Wedekindstraße, zuständig für den gesamten Ostteil der Stadt und schickte den gesamten Schriftverkehr einschließlich Fotografien mit: „Ich bin aber überzeugt, dass Sie die richtigen Ansprechpartner im Polizeibereich kennen. Ich will Ihnen noch kurz mein Interesse an der Sache schildern. Einerseits habe ich der Anwohnerin versprochen mich zu kümmern und andererseits ist für unser Projekt Geschichtslandschaft Stralau schon wichtig, ob sich hier ein Zusammenhang mit dem Zwangsarbeitereinsatz in Stralauer Unternehmen herstellen lässt. Außerdem finde ich es äußerst merkwürdig, dass sich – trotz eindeutiger Fotos und Informationen des Mitarbeiters, der die Skelette gefunden hat – kein verantwortlicher Bearbeiter finden lässt. Das scheint ein Fall für die Abendschau des RBB zu werden.“
Still ruht seitdem der See. Bekannt ist, dass auf dem Gelände des ehemaligen Glaswerkes Zwangsarbeiter beschäftigt und wahrscheinlich auch untergebracht waren, schlecht oder gar nicht geschützt vor den Bombenangriffen und dem Beschuss der Alliierten. Ob es sich bei den Frauen um Angehörige dieser Opfergruppe handelt, wird vielleicht nie ermittelt werden können. Bekannt ist auch, dass auf dem Gelände die Streletzki-Gruppe ein großes Gebäude errichten will, „das Entree Stralaus“, wie es heißt, und dass es dabei immer auch um sehr viel Geld und wenig Zeit geht.
Es wäre angebracht, die Berliner Polizei würde in dieser gegenwärtig mit großen Emotionen verbundenen Angelegenheit etwas mehr Kooperation zeigen. Ob es sich um einfache Kriegsopfer, um verschleppte Zwangsarbeiterinnen oder Opfer eines anderen Gewaltverbrechen handelt, wir denken an die Würde zweier Menschen, die vor 73 Jahren auf tragische Weise ihr junges Leben verloren haben.

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