Restaurant JAMY in Berlin-Friedrichshain | Foto: Giovanni Lo Curto

„Die ganze Familie hat uns geholfen“

Frau Tran und Herr Phung vom JAMY in Berlin-Friedrichshain . | Foto: Giovanni Lo Curto
Mit Zuversicht vor ihrem neu eröffneten Lokal: Frau Tran und Herr Phung.
/ Foto: Giovanni Lo Curto /

Zu Besuch im Restaurant JAMY in der Schreinerstraße 29.

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Durch einen Tipp erfuhr ich, dass anstelle eines typischen asiatischen Restaurants, das seit 1992 in der Schreinerstraße residierte, ein neues geöffnet hat, das sehr empfehlenswert sei. Auf meine Bitte um einen Interviewtermin sagte die Betreiberin, Frau Tran, prompt zu. Sie wirkt auf mich neugierig und offen. Nun sitze ich ihr gegenüber, einer kleinen, sehr lebhaften und freundlichen Frau, die wortgewandt und nicht ohne Stolz von ihrer neuen Einrichtung erzählt: „Im Mai haben wir das Geschäft übernommen, alles saniert und neu eingerichtet. Seit September haben wir geöffnet.“ Schon auf den ersten Blick wirkt das Lokal ganz anders als die üblichen asiatischen Restaurants. „Wir haben alles selbst gebaut, die Regale, die Deckenverkleidung, sogar die Tische. Eine Schwester meines Mannes ist Architektin, sie half uns bei der Einrichtung.“ Dann fügt sie lachend hinzu: „Bei uns kann keiner sagen: „Das habe ich doch schon mal bei IKEA gesehen!“ Sogar die Kissen haben sie selbst genäht, weil sie nicht die passenden Farben gefunden haben.

Restaurant JAMY: Frau Tran | Foto: Giovanni Lo Curto
Frau Tran beim Servieren im Geschäft. / Foto: Giovanni Lo Curto /

Vietnamesische Herkunft

Frau Trans Mutter kam schon 1967 als eine der ersten Vertragsarbeiterinnen nach Leipzig, dann noch einmal 1981 als Praktikantin für Informatik in eine Textilfabrik in Großschönau im Dreiländereck Sachsen, Polen und CSSR. „Den Betrieb gibt es noch“, erklärt Frau Tran. „1988 bekam meine Mutter die Gelegenheit, als Gruppenleiterin erneut nach Großschönau zu gehen. Nur, da war ich schon geboren. Meine Mutter war schon etwas älter, als ich kam.“ Ihr gelang etwas Außergewöhnliches: sie durfte ihre inzwischen dreijährige Tochter in die DDR mitbringen. „Wir lebten in damals in Zittau. Als ich in die Schule kam, zogen wir nach Berlin.“ Die Mutter ist jetzt Rentnerin und kümmert sich um die Kinder von Frau Tran und ihrem Mann. Als Kosmetikerin arbeitet Frau Tran stundenweise bei einer Modekette. „Das ist auch eine schöne Arbeit. Man kann den Kunden sprechen und sie beraten.“Warum dann das Lokal? „Ich will mit meinem Mann einen Start in die Selbständigkeit wagen“, erklärt sie. Seine Eltern waren als Ingenieure im Baugewerbe tätig, doch hatte er dazu keine Ambitionen und lernte Informatik. „Aber er war zuerst nicht so glücklich, als er hier ankam. In Vietnam ist alles anders. Das Leben spielt sich vor der Tür ab. Abends brauchst du nur rauszugehen und triffst Nachbarn und Bekannte. Oder du setzt dich einfach aufs Motorrad, und los geht’s. Hier spielt sich alles drinnen ab. Nur wenige sind auf der Straße. Und die musst die deutsche Sprache gut können. Die Sprachangebote in den Integrationskurses waren meinem Mann zu schnell und es gibt kaum vietnamesische Lehrer, die alles in Ruhe erklären können.“ Das Gastgewerbe bietet die Möglichkeit, sich zu integrieren, auch wenn es mit der Sprache noch nicht so klappt. So sind die Aufgaben gut verteilt: Ein Freund kocht, Frau Tran macht die Bedienung und ihr Mann fertigt Sushi, erledigt den Einkauf und anderes.

Ein Gedanke zu „„Die ganze Familie hat uns geholfen““

  1. Sehr gut, dass ihr den Artikel geschrieben habt. Mit einem Vorgängerrestaurant an der Stelle hatte ich sehr schlechte Erfahrungen gemacht und so wäre ich nie auf die Idee gekommen, dort nochmal zu essen. Jetzt werde ich es bald mal ausprobieren.

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