SV Stralau 1910 (in gestreiften Jerseys) – BFC Teutonia 09 4:1 (0:0) am 5. April 1925 | Quelle: . Freie Sportwoche, 29. April 1925

Arbeiterfußball

SV Stralau 1910 (in gestreiften Jerseys) – BFC Teutonia 09 4:1 (0:0) am 5. April 1925 | Quelle: . Freie Sportwoche, 29. April 1925
Endspiel um die Kreismeisterschaft 1925: SV Stralau 1910 (in gestreiften Jerseys) – BFC Teutonia 09 4:1 (0:0) am 5. April 1925, 4000 Zuschauer an der Kynaststraße. / Quelle: . Freie Sportwoche, 29. April 1925 /

Stralau im Endspiel

Der SV Stralau gehörte während der gesamten Weimarer Jahre zu den führenden Vereinen der Berliner Arbeitersportbewegung. Seinen sportlichen Zenit erreichte er 1925 nach 19 Siegen in Folge mit dem Einzug ins Endspiel um die ATSB-Meisterschaft. Der bis heute größte Friedrichshainer Fußball-Erfolg!
Am Austragungsort Dresdner Ilgen-Kampfbahn (Vorgängerbau der heutigen Spielstätte von Dynamo Dresden), unterlag Stralau gegen den damals fast unschlagbaren Arbeiter-Serienmeister Dresdner SV von 1910 allerdings deutlich mit 0:7. Die Höhe der Niederlage resultierte auch aus einer kurzfristigen Spielverlegung vom Sonntag auf den Sonnabend, damals ein normaler Werktag. Mehrere Stralauer Stammspieler hatten hierfür keinen Urlaub erhalten, der Dresdner SV konnte dagegen in Stammbesetzung antreten. 9000 Endspiel-Zuschauer blieben bis heute die größte Kulisse, vor der je eine Stralauer Mannschaft spielte.
Stralauer Auswahlspieler
Vom DFB-Fußball hatten die Arbeiterfußballer die Tradition der Regional- und Länderspiele übernommen. So empfing die Berliner Arbeiter-Auswahl am 9. September 1923 vor 15.000 Zuschauern im überfüllten Stadion Lichtenberg (im heutigen Landschaftspark Herzfelde) eine sowjetrussische Auswahl. Die deutlich besser genährten und eingespielten Gäste siegten klar und deutlich mit 6:0, aber immerhin: Bei diesem ersten offiziellen deutsch-sowjetischen Sportlertreffen war Stralau 1910 mit Torwart Stolpe, Verteidiger Barabas und Stürmer Lachner gleich dreifach vertreten.
Zum Leiter der Märkischen Spielvereinigung, dem Zusammenschluss der Berliner und Brandenburger Arbeiterfußballer im ATSB, wurde 1924 der Stralauer Spieler Fritz Apitz gewählt. Sein Vereinskamerad Willy Hutmann fungierte jahrelang als Herausgeber des „Arbeiter-Fußball“, dem proletarischen Gegenstück zur „bürgerlichen“, tatsächlich aber vor allem von Proletariern gekauften und gelesenen Fußball-Woche.

Spielstätten

Am 12. Oktober 1919 eröffnete der SV Stralau 1910 mit einem Spiel gegen den SC Brandenburg 02 Lichtenberg den Sportplatz an der Goßlerstraße 48, die heutige Lasker-Sportanlage. Das damalige Fassungsvermögen lag bei etwa 7000 Stehplätzen. Der Platz war direkt von der Kommune gepachtet und um 1923 der einzige eingezäunte Vereinsplatz eines Arbeiter-FCs im Berliner Osten. 
1924 erhielt der SV Stralau eine vierwöchige Sperre für diesen Platz, weil zu einem von ihm ausgerichteten Turnier befreundete Gastwirte Preise wie Trikots und einige Fußbälle ausgelobt hatten. Im deutschen Arbeiterfußball waren Sachpreise aller Art tabu, um sich vom „kapitalistischen“ DFB-Fußball mit seinem Scheinamateurismus abzugrenzen.
Bei größeren Spielen wich der damalige Ostberliner Serienmeister aus auf den Sparta-Lichtenberg-Platz an der Hauffstraße, ins Stadion Lichtenberg sowie auf dem damaligen Tribünensportplatz an der Kynaststraße, deren Nutzung sich die Freie Turnerschaft Lichtenberg (ebenfalls ein ATSB-Verein) mit verschiedenen Lichtenberger DFB-Vereinen und diversen umliegenden Schulen teilte.

Ein Gedanke zu „Arbeiterfußball“

  1. Vielen Dank für diesen interessanten Artikel über einen sympathischen und geschichtsträchtigen Verein!
    Wer mehr über Arbeiterfußball vor 1933 erfahren möchte und Freude an historischen Fußballfotos hat, dem sei die Seite arbeiterfussball.de sehr ans Herz gelegt!

    Mit Arbeitersport-Grüßen „Frei Heil!“ und „Rot Sport!“,
    ein Sportgenosse!

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