SV Stralau 1910 (in gestreiften Jerseys) – BFC Teutonia 09 4:1 (0:0) am 5. April 1925 | Quelle: . Freie Sportwoche, 29. April 1925

Arbeiterfußball

Fußbal-Solidaritätsspiel im Jahre 1921 auf dem Stralau-Platz zugunsten der Russland-Hungerhilfe| Quelle: Freie Sportwoche, 2. November 1921

Solidaritätsspiel am 16. Oktober 1921 auf dem Stralau-Platz zugunsten der Russland-Hungerhilfe: Arbeiterauswahl Berlin-Ost gegen Berlin-Südwest 1:1 vor 2500 Zuschauern. / Quelle: Freie Sportwoche, 2. November 1921 /

Erst Spaltung, dann Gleichschaltung

Die deutsche Arbeiterbewegung galt als die bestorganisierte ihrer Zeit, litt aber in der Zwischenkriegszeit unter den Differenzen zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten. Nach und nach spalteten sich daher alle Zweige der Arbeiterbewegung. Diese Tendenzen setzten während des Ersten Weltkrieges mit der Abspaltung der USPD von den Mehrheitssozialisten ein und erreichten 1928 auch die Arbeitersportbewegung. Im Berlin-Brandenburger Arbeitersport stellten die Kommunisten die Mehrheit. Nach verlorenen Machtproben mit der SPD-nahen ATSB-Leitung und dem daraus resultierenden Ausschluss der meisten Berliner Arbeitersportvereine, darunter auch der SV Stralau 1910, aus dem ATSB entstand die KPD-nahe „Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit“. Diese führte nun eigene Meisterschaften und Länderspiele durch und erreichte bis 1933 eine Mitgliederzahl von 250.000. Hauptgegner war entsprechend der damaligen KPD-Doktrin die als sozialfaschistisch denunzierte Sozialdemokratie und deren Sportverband.
Unterdessen erstarkten die Nazis und übernahmen schließlich die Staatsgewalt. Dem Arbeitersport bedeutete dies das baldige Ende. Nach dem Reichstagsbrand erfolgten die Verhaftungen zahlreicher KPD-Funktionäre und das Verbot aller kommunistischen Organisationen. Im April musste dann auch der Arbeiter-Turn-und Sportbund seine Tätigkeit einstellen.
Für etwa 10.000 Arbeitervereine bedeutete dies das Aus durch Verbot, dem man mitunter durch Selbstauflösung oder rechtzeitige Umbenennung zuvor kam. Einige Vereine arrangierten sich auch mit den neuen Verhältnissen, indem sie die nationalsozialistische Gleichschaltung mitmachten, die neuen Einheitsstatuten mit Arierparagraphen annahmen und das Führerprinzip einführten. Diesen Ausweg wählte auch der SV Stralau 1910, der dadurch selbständig blieb, ehe er 1943 mit Berolina LSC eine Kriegsgemeinschaft einging. Trotz dieses Makels soll sein Beitrag zum Sport der Arbeiterbewegung nicht vergessen sein.

Ein Gedanke zu „Arbeiterfußball“

  1. Vielen Dank für diesen interessanten Artikel über einen sympathischen und geschichtsträchtigen Verein!
    Wer mehr über Arbeiterfußball vor 1933 erfahren möchte und Freude an historischen Fußballfotos hat, dem sei die Seite arbeiterfussball.de sehr ans Herz gelegt!

    Mit Arbeitersport-Grüßen „Frei Heil!“ und „Rot Sport!“,
    ein Sportgenosse!

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