Blues-Messe 1981 in der Erlöserkirche/ Foto: BStU /

Die Blues-Messen – gefragte Jugendgottesdienste

Frank Gahler und Günter Holwas auf einer Blues-Messe, Foto: privat
Frank Gahler mit Mundharmonika und Günter Holwas bei einer Blues-Messe. / Foto: privat /

… und ein durchschlagendes Konzept

Für den nächsten Jugendgottesdienst am 13. Juli 1979 in der Samariterkirche warteten die Jugendarbeiter mit einem ganz neuen Konzept auf. Die Besucher wurden begrüßt und eingestimmt: „Stellt Euch vor, … ihr befindet euch auf einem riesigen Baumwollfeld. … Tag ein, Tag aus müßt ihr diese elende Baumwolle pflücken und hinter euch ständig die Aufseher mit ihren Knüppeln und Bluthunden. Keine Chance, diesem Elend zu entrinnen. Nur in der Ferne fährt ab und zu ein Güterzug in den Norden. Heimlich wächst in euch die Hoffnung, doch eines Tages auf einen der Güterzüge aufzuspringen und diesem Sklavendasein zu entkommen.“
Diese Anspielungen verstanden viele junge Gottesdienstbesucher, die unter der mitunter sehr despotisch ausgeübten Arbeitspflicht in der DDR litten. Der Zug in den Norden – das war ein Bild für die Freiheit im Westen.
Eine Jugendarbeiterin fuhr fort: „Zwischen Haß, dem Haß gegen die Unterdrücker und ihre Foltermethoden und Hoffnung, der Hoffnung doch eines Tages ein freies und menschliches Leben führen zu können, entstand eine Form von Musik in der sich pulsierendes Leben wiederspiegelt und auch uns Hoffnung machen kann. Ich wünsche, daß wir uns davon ein wenig anstecken lassen.“
Darauf setzte Günter Holwas mit seiner Blues-Musik ein. Die Jugendlichen fühlten sich als Teil einer universellen Freiheitsbewegung und ihre Stimmung war unbeschreiblich.
In einem Klagepsalm hieß es: „Es hat doch alles keinen Zweck. Diejenigen, die die Macht haben, können sowieso mit einem machen, was sie wollen und sind immer im Recht. Erst sind es die Eltern, dann die Lehrer und Lehrmeister und jetzt die Vorgesetzten und die Partei.“ So klare Worte waren in der Öffentlichkeit bislang nicht vernommen worden. Die Jugendlichen fühlten sich angenommen und gingen nach Predigt, Schlusswort und weiteren Blues-Stücken beglückt nach Hause.

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