Boxi inoffiziell / offiziell

Aufbruch aus dunklen Zeiten

Der Widerstand gegen das NS-Regime in Friedrichshain ruhte auf vielen Schultern, so auf denen von Hans Zoschke. Als Fußballer vom „Sportclub Empor“ kannte er den berühmten Ringer Werner Seelenbinder, der Schaukämpfe auf dem Boxi veranstaltete. Zoschke klebte mit seinen Freunden an die Wände von Industriebetrieben, etwa der „DEA Pneumatik“ in der Boxhagener Straße,  kleine Plakate mit dem Text: „Der Krieg ist entbrannt. Die Kugel trifft dich! Österreich – Tschechoslowakei, heute Polen, morgen die ganze Welt!“
Sie verbargen 1941 auch Alfred Kowalke aus der Boxhagener Straße 51. Kowalke war ein Organisator von Widerstandsgruppen. Mit Zoschke wurde er im Februar 1942 verhaftet und 1944 hingerichtet.
Einheiten der Roten Armee erreichten am 24. April 1945 das Fabrikgelände der „Knorrbremse“, und die Bewohner der Boxhagener Straße 58 retteten sich aus dem Kampfgebiet. Am 28. April 1945 richtete die sowjetische Kommandantur ihren Sitz in der nahen Simon-Dach-Straße 10 ein. Gleichzeitig eröffneten KPD-Leute in der Textilschule am Warschauer Platz ein neues Bezirksamt. Zur ersten gemeinsamen SPD/KPD Konferenz kam es am 12. Juli 1945. Jedoch lag bei bei den Wahlen am 20. September 1946 die SPD mit 46,1 % vorn, die SED nur bei 31 %.
Weil freie Meinungsbildung oder kritische Diskussionen in der SED kaum gefragt waren und Kreissekretär Kiefert durch Gerhard Danelius („Genosse Dan“) ersetzt wurde, kam es zwischen September 1948 und Juni 1949 zum Protest von alten Friedrichshainer KPDlern. „Genosse Dan“ bedrohte alle Kritiker mit ihrem Ausschluss. 1962 wurde er Chef der Westberliner SED, die sich dort  1969 in SEW umbenannte. Danelius‘ Gegner saß zunächst in der Krossener Straße 22, wo die SPD zusammen mit der Arbeiterwohlfahrt ein Büro unterhielt.
Der SPD-Kreisvorsitzende Kurt Neubauer war in beiden Teilen der Stadt politisch aktiv und galt der SED als „treibende Kraft“. Wohl deshalb lud er am 25. August 1960 Willy Brandt zu einem Besuch am Boxi ein. Später, im Oktober 1967, mit seiner Ernennung zum Westberliner Innensenator, war Neubauer ein energischer Gegenspieler der linken Studentenbewegung, die von der SEW unter Danelius gestützt wurde.

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