Detail (Brückenskulptur) um 1911 der mittlerweile verschwundenen Brommybrücke| Quelle: Bauzeitschrift

Flussteilung

Brommybrücke | Quelle: BStU
Blick auf Spree und Brommybrücke aus Grenztruppensicht. / Quelle: BStU /
Überreste der Brommybrücke aus Westsicht | Quelle: FHXB-Museum
Die Reste der Brommybrücke aus Westsicht. / Quelle: FHXB-Museum/

Ruhe nach dem Sturm

Die Brommybrücke war ein wichtiger Verkehrszubringer und ein beliebtes Fotomotiv. Mitunter war sie ein Ort stiller politischer Demonstration, wie am 15. Januar 1934, als Mitglieder der illegalen KPD hier einen Kranz zu Ehren von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht niederlegten. Am 3. Februar 1945 lag ein klarer blauer Himmel über der Spree. Das Feuerlöschboot „Scabell“ erhielt um 13.25 Uhr einen Einsatzbefehl. Als es die Oberbaumbrücke passierte, wälzte sich der Bootsbesatzung eine Wand aus schwarzem Rauch entgegen. Den Feuerwehrmännern trieben Schwärme toter Fische entgegen, Holz von versenkten Kähnen und vor allem hatte das schmale Boot mit ungewohnt hohen Wellen zu kämpfen. Ein Feuersturm, von einem gewaltigen Bombenangriff ausgelöst, trieb das Wasser aufwärts. Der Steuermann versuchte das Boot zu wenden, das direkt auf die Brommybrücke zutrieb. Ein Wurfanker verhinderte den Zusammenprall. Weitere Bombenangriffe beschädigten die Brücke schwer. Zur völligen Zerstörung führte Ende April 1945 eine Sprengung fanatischer SS-Leute, die den Vormarsch der Roten Armee stoppen wollten. Intakt bleiben nur die Mittelpfeiler.

Der fünfjährige Siegfried Kroboth ertrank an dieser Stelle beim Spielen in der Spree | Quelle: FHXB-Museum
Die Reste der Brommybrücke aus Westsicht, an dieser Stelle ertrank Siegfried Kroboth.                        / Quelle: FHXB-Museum /

Grenzpfeiler

Bis auf die Pfeiler in der Strommitte wurde die Brommybrücke abgerissen, nach und nach auch fast alle Gebäude auf der Friedrichshainer Spreeseite. Seit 1938 gehört die Spree zwischen der Oberbaum- und der Schillingbrücke zum Friedrichshainer Gebiet. Vom 13. August 1961 bis zum Mauerfall war das Betreten dieses Ufers verboten. Zwischen 1945 bis 1990 wurde die Spree zum Ort politischer Machtdemonstration, der 14 Menschen zum Opfer fielen.

Verhängnis

Siegfried Kroboth war 5 Jahre alt. Er spielte gern mit Freunden auf dem Straßenstück, das von der Köpenicker Straße bis zu den Resten der alten Brommybrücke reicht. Am 14. Mai 1973 kletterten sie durch ein Loch in einer Mauer, das diese Straße gegen das Wasser absperrte. Angler hatten dieses Loch hinein geschlagen. Die Kinder blickten auf den Restpfeiler der Brommybrücke. Plötzlich fiel Siegfried der Nuckel aus dem Mund. Er griff danach, stolperte, verlor das Gleichgewicht und stürzte ins Wasser. Der Junge versuchte, seinen Kopf über Wasser zu halten, doch schwanden seine Kräfte schnell. Eine Grenzbootbesatzung der DDR beobachtete den Vorfall. Ehe es den Ort erreichte, war der Junge ertrunken. Der Versuch die Leiche an Bord zu ziehen misslang. Auf der Westseite war die Feuerwehr alarmiert, wegen unklarer Zuständigkeiten konnte sie nicht eingreifen. Aufgrund alliierter Vorgaben und interner Vorschriften waren nur die DDR-Grenztruppen zuständig. Erst 40 Minuten später konnte der Tote von diesen aus dem Wasser gezogen werden. Der Tagesspiegel berichtete am 15. Mai 1973, dass der Junge bereits ertrunken war, als die Westberliner Polizei wenige Minuten später am Ort eintraf. Die Morgenpost vom 17. Mai 1973 stellte die Frage nach der Aufsichtspflicht der Eltern oder anderer Erwachsener. Das westliche Ufer der Brommybrücke war damals eine Brache und deren Gefahren waren bekannt. Besonders tragisch war, dass die Familie fünf Jahre vorher auf den Tag genau ihre 21-jährige Tochter auf der gegenüberliegenden Seite der Spree verloren hatte. Sie war ermordet und von der Friedrichshainer Seite der Brommybrücke aus in die Spree geworfen worden.

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