Spanienkämpfer Denkmal am Friedrichshain. Die linke Faust vor dem Gesicht, das Schwert in einer merkwürdig verdrehten Rechten. Professionelle Kämpfer stellen sich anders auf. / Foto: Dirk Moldt /

Der Spanienkämpfer

Spanienkämpfer Denkmal am Friedrichshain. Die linke Faust vor dem Gesicht, das Schwert in einer merkwürdig verdrehten Rechten. Professionelle Kämpfer stellen sich anders auf. / Foto: Dirk Moldt /
Die linke Faust vor dem Gesicht, das Schwert in einer merkwürdig verdrehten Rechten. Professionelle Kämpfer stellen sich anders auf.
/ Foto: Dirk Moldt /

Das Spanienkämpfer-Denkmal am Friedrichshain

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Nur wenige Meter hinter dem Platz der Vereinten Nationen, wo die Büschingstraße in die Friedenstraße mündet, befindet sich das Spanienkämpfer-Denkmal, das aus drei Teilen besteht, dem großen Schwertkämpfer Fritz Cremers, der Reliefplatte von Siegfried Krepp, die Ereignisse aus dem Spanischen Bürgerkrieg darstellt, und der bronzenen Bodenplatte mit Inschrift: „Gedenkstätte der deutschen Interbrigadisten. Spanien 1936–1939.“

Ein grausamer, längst vergessener Krieg

Vor dem Hintergrund einer enorm angespannten wirtschaftlichen Situation mit heftigen sozialen Konflikten polarisierten sich im Spanien der dreißiger Jahre die politischen Kräfte zusehends. Der knappe Wahlsieg der Frente Popular, einem Bündnis linker Parteien und Gruppierungen, im Februar 1936 führte nicht zur Beruhigung. Streiks, Landbesetzungen, gewaltsame Übergriffe und politisch motivierte Attentate mündeten in einen Aufstand rechtsradikaler und königstreuer Truppen sowie paramilitärischer Verbände, denen sich linksgerichtete Arbeiter entgegenstellten. Aus dem Konflikt entwickelte sich nicht nur ein Bürger- sondern ein Stellvertreterkrieg analog zu den damaligen ideologischen Fronten Europas. Den Republikanern zu Hilfe kamen antifaschistische Kämpfer aus allen Ländern Europas, während das faschistische Deutschland den Putschisten unter Francisco Franco massiv unterstütze. Die deutsche Legion Condor flog den berüchtigten Terrorangriff auf die Stadt Guernica – eine grausame Vorwegnahme der Flächenbombardements des Zweiten Weltkriegs.

Was hat Friedrichshain mit Spanien zu tun?

Etwa 5.000 deutsche Antifaschisten beteiligten sich; sie sahen ihren Kampf für die Republik als eine Form des aktiven Widerstands gegen das NS-Regime an.
Etwa 3.000 von ihnen fielen. Insgesamt hat der spanische Bürgerkrieg nach der Niederschlagung der Republik weitaus mehr als 100.000 Menschen das Leben gekostet. Um auf ihre eigene antifaschistische Tradition hinzuweisen, ließ die SED 1968 das Spanienkämpfer-Denkmal im Friedrichshain, dem damals noch traditionellen Arbeiterbezirk, errichten.
Unter den SED-Mitgliedern bildeten die Spanienkämpfer immer eine eigene Gruppe: sie hatten mit der Waffe gegen die Nationalsozialisten gekämpft und die bittere Erfahrung des Scheiterns machen müssen. Deren künstlerische Aufarbeitung des Spanienkriegs, wie in den Liedern Ernst Buschs, geriet selten zu platter Propaganda.

Großer Pomp

Ganz anders war es dagegen, als am 7. September 1969 das Denkmal der deutschen Interbrigadisten eingeweiht wurde: Die SED ließ sogenannte Ehrenformationen der Nationalen Volksarmee, der Volkspolizei und der Betriebskampfgruppen aufmarschieren. Der Text auf der bronzenen Tafel sprach von den „glorreichen internationalen Brigaden“, die „beseelt von den großen Ideen des proletarischen Internationalismus und wahren Patriotismus“ waren und ein „unvergängliches Vorbild der Jugend unseres sozialistischen Vaterlandes“ seien. Anderntags lobte die Berliner Zeitung die Skulptur des Bildhauers Fritz Cremers, als einen „vorwärts stürmenden Spanienkämpfer“, als „ehernes Monument des proletarischen Internationalismus“.
Nicht erwähnt wurde, dass Cremer seinen ersten Entwurf, eine weniger heldenhafte Figur auf nachdrückliches Bitten der politisch Verantwortlichen in eine mehr kämpferische umgestalten musste. Ebensowenig erwähnt wurde die Enttäuschung mancher Genossen angesichts dieses immer noch zu wenig heroischen Kämpfers.

Ernst Barlachs „Rächer“ 1922 aus Lindenholz. / Foto: Wikimedia, Rufus46 /
Ernst Barlachs „Rächer“ 1922 aus Lindenholz.
/ Foto: Wikimedia, Rufus46 /

Ein Meisterwerk in seiner Zeit

Wie in kaum einer anderen Plastik gelang es dem Bildhauer, die extrem widersprüchliche Vergangenheit des deutschen Kommunismus jener Epoche darzustellen. Viele Kämpfer der Interbrigaden waren militärisch unerfahren und fielen. Auch die anarchistisch orienterten spanischen Revolutionäre ließen sich, wenn auch in weit geringerem Ausmaß als die Franco-Putschisten, zu Massakern an ihren Feinden hinreißen. Die Sowjetunion unterstützte nur moskautreue Kommunisten mit Waffen. Mehrere Augenzeugen hatten berichtet, den späteren MfS-Chef Erich Mielke, der an der Eröffnung des Denkmals teilnahm, als Angehörigen einer stalinistischen Miliz gesehen zu haben. Von diesen Milizen war bekannt, dass sie auch Morde unter Republikanern begingen.
Gegenüber Kritikern, die bemängelten, dass die unnatürliche Haltung des Kämpfers diesem gar nicht ermögliche, ein Schwert zu führen, beschied Cremer, er wolle, dass sich die Menschen mit der Rolle des Kämpfers auseinandersetzen, dass sie selbst aktiv werden. Dabei war auf den ersten Blick wahrzunehmen, dass Cremer keinen Siegertyp auf das Podest gestellt hat.
Die Figur entstand nach der Plastik „Der Rächer“ von Ernst Barlach, die dieser unter dem Eindruck des beginnenden Ersten Weltkriegs begonnen hatte und die er zuerst „Der Berserker“ nannte. Diese Figur, die Barlachs ursprünglicher Begeisterung für den Krieg entsprang, interpretierte der Meister in den 1920er Jahren in ein Sinnbild der aggressiven Kräfte um, die den Frieden nicht haben wollten. Andere erkennen in Cremers Spanienkämpfer ein Zitat aus Picassos Bild „Guernica“. Unabhängig von der großen Skepsis, die aus seiner Plastik spricht, orientierte sich Cremer an zwei Künstlern, deren Formensprache in den 1960er Jahren in der DDR ganz und gar nicht opportun war. Damit brach er auch der Freiheit der Kunst eine Bahn.

Auch von SED-Kritikern geehrt

Anarchistisch orientierte Angehörige kirchlicher Basisgruppen lasen und diskutierten die Biografie des legendären Anführers der spanischen Anarchisten Buenaventura Durruti, die illegal kursierte, wohl wissend, dass ein bewaffneter Kampf in der DDR absolut ausgeschlossen war. Doch Durrutis Charisma und die Tatsache, dass die republikanische Region Barcelona unter anarcho-syndikalistischer Selbstverwaltung gestanden hat, inspirierte die jungen Leute. In der DDR wurde verschwiegen, dass anarchistische Truppen von moskautreuen Politikern im Stich gelassen und bekämpft wurden und dass Stalinisten sogar in den Reihen der Republikaner mordeten. Für die kritischen jungen Leser in der DDR waren solche Darstellungen ein Beweis mehr dafür, dass kremltreue Marxisten die Entfaltung eines freien Sozialismus unterdrückten. Auf diese Weise konnten auch sie den spanischen Bürgerkrieg als einen Teil ihrer eigenen politischen Erfahrung annehmen.
1991 führte ein rechtsradikaler Sprengstoffanschlag zu schweren Zerstörungen. Das Denkmal wurde saniert und bekam eine neue Bronzeplatte mit einer angemessenen Inschrift. Inzwischen fand ein Wettbewerb um die Neugestaltung der Denkmalumgebung statt, über dessen Ergebnisse der Zeitzeiger zu gegebener Zeit berichten wird.

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