| Quelle: Meyer-Prospekt 1936

Flüssiges aus Friedrichshain

| Quelle: Vorwärts 1909
Nichts ist unpolitisch, die SPD ruft zum Kampf gegen die Schnaps-junker auf. / Quelle: Vorwärts 1909 /

Expansion

Die Werbeabteilung der Meyer & Co. AG schuf 1924 den Spruch: „Keine Feier ohne Meyer“, wobei das Y zum stilisierten Sektglas dargestellt war. Sieben Meyer-Läden hatte Friedrichshain 1924 und 268 berlinweit. Unter der Führung von Robert Melchers, Delegierter des Aufsichtsrates, wurde die AG am 20. Oktober 1936 „arisiert“ und 1941 in „Robert Melchers AG“ umbenannt. Bereits am 12. November 1928 hatte die NS-Zeitung „Der Angriff“ gegen den „jüdischen Trust Meyer“ gehetzt. Jüdische Kneiper verloren ihre Lokale ebenfalls. Seit dem 21. Februar 1936 wurde die „politische Zuverlässigkeit von Bewerbern um eine Schankerlaubnis“ wichtig. „Im heutigen Staate ist ganz besonders Gewicht darauf zu legen, daß in politischer Hinsicht die Gewähr für eine einwandfreie Geschäftsführung besteht. Diese Gewähr kann nur von einer Person erwartet werden, die den heutigen Staat bejaht“. Mit dieser Begründung waren „Stellungnahmen der Gauleitung Groß-Berlin und der Gestapo“ einzuholen. Im Oktober 1945 wurde die „Robert Melchers AG“, in „Meyer“ zurück benannt und später ein Westberliner Lebensmitteldiscounter.

Klimawechsel

August Breuer mietete eine Ladenwohnung in der Warschauer Straße 81, hängte sein Firmenschild auf: „Fabrik feinster Edelliköre, Spirituosen- und Weingroßhandlung“. Am 1. März 1921, stand ein Behördenvertreter in der Tür und fand: „in dieser Kleinhandelsstätte ist eine Verführung zum Alkoholgenuß wegen des Halbschanks aus Bier, Wein, und Kaffee kein unmittelbarer“. Jahre später hatten Örtliche NS-Honorationen keine Einwände gegen Breuer, der 1940 in die NS-Partei eintrat. Im Mai 1945 Jahre brauchte Breuer dringend Geld, da stand Fritz Meier vor der Tür. Meier hasste die „Partei“. Auf die Frage, weshalb er am 20. April 1942, zum „Führergeburtstag“, keine Flagge ans Portal seiner „Kreuzberger Aromen- und Nährmittelfabrik“, hängte, sagte er: „Wer flaggt an meinem Geburtstag?“. Wenig später kam ein Betriebsprüfer von der „Partei“. Mit den Worten: „Auch mit ihrem Aushängeschild dürfen Sie bei mir nicht frech werden!“, wies Meier dem Prüfer die Tür und wurde einen Tag später von der Gestapo verhaftet. Für sechs Monate kam er ins Gefängnis; bei Entzug der Konzession auf Lebenszeit plus einem Ordnungsgeld von 75.000 Mark. Ein SS-Mann Czaplicki war Treuhänder, der Meier über ein Gnadenersuchen frei ließ. Im August 1945 startete Fritz Meier seine neue Firma in der Warschauer Straße 81. Neben flüssigen Backaromen „in hoher Qualität“, hatte er Liköre im Angebot. Allein durch den Verkauf der Backaromen verdiente er zwischen August 1946 bis Februar 1947 196.575 Mark. Im August 1947 zweifelte das Bezirksamt den Gnadenerweis von 1942 unter der Behauptung an. „Meier hätte ein umfangreiches Strafregister“, und ergänzte: „der Gnadenerweis war von einer Verwaltungsbehörde, aber keinem (NS-) Staatsanwalt ausgesprochen worden. Die Kriminaldirektion Dirksenstraße widersprach: „Es gibt keinen Anlass, Meier die Zuverlässigkeit abzusprechen“. Am 21. April 1949 ging Meiers Laden an die HO.

 

 

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