Drei Grenzen durch Friedrichshain | Quelle: FHXB-Museum

Die Zoll- und Akzisemauer in Friedrichshain und Kreuzberg

Drei Grenzen durch Friedrichshain | Quelle: FHXB-Museum
Drei Grenzen durch Friedrichshain: rot: zwischen Berliner und Lichtenberger Feldmark seit dem 12. Jahrhundert, blau: Berliner Akzisegrenze 1734 bis 1866 und grün: Abgrenzung der Gemeinde Boxhagen-Rummelsburg und später zu Lichtenberg gehörend, 1889 bis 1938.
/ Quelle: FHXB-Museum /

Die Zoll- und Akzisemauer in Friedrichshain und Kreuzberg.

von Hajo Toppius.

Berlin hat ein besonderes Verhältnis zu Mauern, speziell zu ihren Hinterlassenschaften und den Lücken, die sie gelassen haben. Im Bewusstsein ist vor allem die Berliner Mauer, die bis 1989 auch unseren Doppelbezirk in zwei Teile geteilt hat. Aber es gibt noch mindestens drei andere: die mittelalterliche Stadtmauer, deren Erweiterung zur Festung im 17. Jahrhundert und dann die sogenannte Zoll- und Akzisemauer. Mehr als die Hälfte ihrer knapp 15 Kilometer verlief durch den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Sie wurde 1734 bis 1737 errichtet und ersetzte die alte überflüssig gewordene Festung. Vor allem im Osten wurde mit ihr die befestigte Stadtgrenze deutlich weiter nach außen verschoben, von der Jannowitzbrücke zur Oberbaumbrücke. Sie war hauptsächlich dazu da, den Zustrom von Waren in die Stadt zu kontrollieren, um Zölle erheben zu können. Daher auch Ihr Name: Akzise war die städtische Zollsteuer. Und es gab einen zweiten Grund: Ihr Erbauer König Friedrich Wilhelm I. hatte bekanntermaßen einen ausgemachten Soldatenfetisch und wollte mit dem drei bis vier Meter hohen Bauwerk das Desertieren der mühsam im ganzen Land zusammengepressten Soldaten verhindern. Es gibt heute noch genau zwei kleine, etwa 20 m lange Reste dieser Mauer an der Stresemannstraße in Kreuzberg und an der Charité, dort sehr unscheinbar in einem kurzen Abschnitt der Hannoverischen Straße in eine Hauswand integriert.

Noch heute zu erkennen

Der Verlauf der Mauer lässt sich nur noch topografisch und durch die Benennung von Straßen und Plätzen nachvollziehen. Während Straßen wie die „Oberwallstraße“ oder „Am Festungsgraben“ auf die alte Festung hinweisen, erinnern an die Akzisemauer weniger die Straßen (mal abgesehen von den Straßenverläufen), sondern die Namen der Tore, die in bis heute Stadtplätze benennen. Entgegen häufig anders geäußerter Angaben (wie auch bei Wikipedia) erinnern die Palisadenstraße in Friedrichshain und die Linienstraße in Mitte an den Vorgängerbau der Akzisemauer, die sogenannte Linie oder Palisade, die einen etwas anderen Verlauf hatte und aus Holz gebaut war. Interessant ist, dass die Akzisemauer außerhalb von Friedrichshain-Kreuzberg in den meisten Fällen an den heutigen Bezirksgrenzen verlief, beispielsweise am Brandenburger Tor zwischen Mitte und Tiergarten oder an einem Teil der Torstraße zwischen Mitte und Prenzlauer Berg. Nur in Friedrichshain und Kreuzberg lief sie mitten durch die späteren beiden Bezirke. Das liegt daran, dass diese Bezirke erst 1920 entstanden sind, mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Ende der Akzisemauer und nachdem die Stadt über sie hinaus gewachsen war. In Kreuzberg ist der Verlauf einfach nachzuvollziehen: Von der Oberbaumbrücke, beziehungsweise dem Schlesischen Tor entlang der U-Bahn bis zum Halleschen Tor, dann rechts die Stresemannstraße entlang bis zum Potsdamer Platz. Sechs von vier Tore sind zumindest noch namentlich vorhanden: Schlesisches und Kottbusser Tor, das Wassertor am ehemaligen Luisenstädtischen Kanal, nach dem der Wassertorplatz benannt ist, und das Hallesche Tor. Namentlich nicht mehr vorhanden sind das Köpenicker Tor am heutigen Lausitzer Platz das Anhalter Tor am ehemaligen Anhalter Bahnhof.

Der Landsberger Platz in Berlin-Friedrichshain Um 1900. | Quelle: Postkarte
Der Landsberger Platz, wo sich einst das Landsberger Tor befand. Um 1900. Quelle: Postkarte

Zwischen unterschiedlichen Wohngebieten

In Friedrichshain ist es komplizierter. Da verläuft die Mauer versteckter, von der Oberbaumbrücke zum Stralauer Tor, passend zur heutigen Stralauer Allee, bis zur heutigen Warschauer Brücke, dann direkt am Balkon des Autors vorbei durch die Marchlewskistraße bis zum damaligen Frankfurter Tor. Eine Strecke von etwa zwei Kilometern. Verglichen mit dem Durchschnittsabstand von 460 Metern zwischen zwei Toren in Kreuzberg, ist das ein langer Weg. Es muss ein beschauliches Leben hinter der Mauer gewesen sein. Das Frankfurter Tor lag damals weiter westlich, ein Stück hinter der Kreuzung Frankfurter Allee / Straße der Pariser Kommune, wo heute der U-Bahnhof Weberwiese ist. Der Weg der Akzisemauer setzte sich ähnlich unspektakulär fort: Durch die Friedenstraße zum nächsten und letzten Friedrichshainer Tor, dem Landsberger Tor an der Landsberger Allee vor dem Volkspark Friedrichshain. Das nächste lag dann am Ende des Volksparkes schon im heutigen Prenzlauer Berg: das Königstor an der Greifswalder Straße. In Friedrichshain hatte die Mauer den deutlichen Charakter einer Grenze im Grünen, weniger den einer Stadtmauer, war auch mit wenig Personal besetzt und, wie schon vermerkt, mit nur drei Toren ausgestattet. Mit dem Stadtwachstum im 19. Jahrhundert rückte die Stadt mit immer höherer Bebauungsdichte an die Mauer heran und überwand sie. Dass Mauern nach ihrer Existenz noch eine deutliche Wirkung auf die Stadt haben können, trifft auch auf die Akzisemauer zu, wenn auch kaum erkennbar. Eine Grenze markiert der Verlauf der ehemaligen Akzisemauer in Friedrichshain auch noch heute (zumindest fast), nämlich die Grenze zwischen dem Szenekiez Friedrichshain in den Altbauten im Süd- und Nordkiez und vorwiegend in den Neubauten zwischen den 1950er und 1970er Jahre in Friedrichshain-West. Vielleicht bietet es sich an, solche Grenzen auch produktiv zu nutzen, indem man sie hier und da überwindet, um auch mal in den anderen Teil Friedrichshains hinüberzugucken. Zudem wäre es toll, wenn in Zukunft der Verlauf dieser Mauer – die immerhin 150 Jahre den Doppelbezirk durchschnitten hat – besser sichtbar und nachvollziehbar wäre.

U-Bahnhof Stralauer Tor | Quelle: FHXB-Museum
Der Name blieb noch einige Jahre: Stralauer Tor. Der U-Bahnhof an der Oberbaumbrücke um 1900 zwischen Schlesischem Bahnhof und Warschauer Brücke existiert nicht mehr. / Quelle: FHXB-Museum /

 

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