Kolonie Friedrichsberg um 1770 Karte: Landesarchiv Berlin

Friedrichsberg

Sumpfiger Schindacker

Die Siedlung wurde um 1770 ins Leben gerufen und stand unter Protektion des Preußenkönigs Friedrich II. Allerdings erwies sich der Boden als nicht besonders ertragreich. Das als Schindacker zum Schlachten von Vieh benutzte Gelände war seit dem Mittelalter ein sumpfiges, mit  Sandhügeln versehenes Land, auf dem kaum etwas wuchs. Jahrelang musste Mist zum Düngen aufgefahren werden. Dass 1801 gerade einmal 18 Personen hier lebten, spricht nicht gerade für eine Erfolgsgeschichte. Doch 1837 waren es schon 225 Einwohner. In den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts entschied sich die Gemeindeverwaltung für die Einrichtung eines eigenen Gemeindefriedhofs. Dieser wurde ganz am Rande im Westen auf dem einem Flurstück angelegt, das der Kirche gehörte: der Fläche zwischen Kreutziger und Mainzer Straße. Die Kreutziger Straße wurde zur Westgrenze der Gemeinde. Mit der Gründerzeit entwickelte sich Friedrichsberg zu einer Großgemeinde. Vorbote des Aufschwungs war der bei seiner Veröffentlichung 1862 noch von allen belächelte Bebauungsplan von James Hobrecht (1825–1902), der die Ausweitung der benachbarten Stadt Berlin über das Dorf Lichtenberg hinaus vorsah. Nie würde die Stadt solche Ausmaße annehmen, so glaubte man. Doch Hobrecht sollte recht behalten. 1871 lebten in Friedrichsberg etwa 2.000 Einwohner, 1875 waren es bereits 10.000 und 1907 nicht weniger als 50.000. Schon 1871 wurde die Gemeinde von der Ringbahn durchschnitten, ein Tribut an die neue Zeit. Doch immerhin bekam sie am 1. Mai 1872 einen eigenen Bahnhof Friedrichsberg, der 25 Jahre später in Frankfurter Allee umbenannt wurde. Im Februar 1876 schien sich die Natur vorgenommen zu haben, ihren Teil von der Stadt zurück zu holen. Nach heftigen Regengüssen wurde Friedrichsberg aus Richtung des höher gelegenen Lichtenbergs überschwemmt. Plötzlich standen die Keller unter Wasser, so dass deren Bewohner gerade so ihr nacktes Leben retten konnten. Die Ärmsten traf es am bittersten. Bis zum Frankfurter Tor stand die ganze Gegend unter Wasser, nur die Frankfurter Chaussee und der Markgrafendamm ermöglichten noch den Kontakt nach Berlin. Mit dem Bau der Kanalisation konnte die Gefahr weiterer Überschwemmungen gebannt werden. Zuvor wurden die von Gärten beherrschten Grundstücke dies- und jenseits der Frankfurter Allee parzelliert und für die Bebauung weiter verkauft.

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