Restaurant im Haus des Kindes | Quelle: Zeitschrift Deutsche Architektur

Problematischer Meilenstein

Elfriede Austentat, Leiterin des haus des Kindes | Quelle: Werbebroschüre 1965
Das Haus des Kindes stand lange unter der Leitung von Elfriede Austentat. Sie führte zahlreiche Neuerungen ein und war damit sehr erfolgreich. / Quelle: Werbebroschüre 1965. /

Briefwechsel

Erster Leiter des Kaufhauses war der spätere Direktor der HO Textil, Manfred Polauke. Seine Nachfolgerin war von 1960 bis 1969 Elfriede Austenat. Sie führte das Kaufhaus aus dem Verlust in den Gewinnbereich. Von einem Kunden- und Schülerbeirat begleitet, leitete sie ein strenges Qualitätsmanagement ein und ermunterte ihre Verkäuferinnen, Fremdsprachen zu lernen. Mit vielen Herstellern schloss sie Partnerschaftsverträge ab. Nicht nur mit dem Kinderwagenhersteller Zekiwa waren dafür unerquickliche Briefwechsel nötig. Dessen Produkte sahen zwar elegant aus, litten aber unter diversen Mängeln. Erst als Frau Austenat staatliche Kontrollorgane einschaltete, gab Zekiwa ein Jahr Garantie. Die 1966 eingeführte Selbstbedienung war ein weiterer ihrer Erfolge, der eine Umsatzsteigerung von 61 Prozent erbrachte.

Erosion

Wegen technischer Mängel musste die Puppenbühne 1970 schließen. In den folgenden Jahren fielen die Fahrstühle aus. In den Nebenräumen vom Kinder-Café verstaubten Tische und Stühle. Der Motor vom Raumschiffmodell schmorte durch, die Figuren an den Spielwänden standen still, die Eisenbahnanlage benötigte eine Generalreparatur. 1983 startete eine lange Rekonstruktionsphase des Hauses, nur unterbrochen von einer Wiedereröffnung im Juni 1985. Im Zuge dieser Arbeiten verschwand das Froschköniggitter von Fritz Kühn. In einem Schutthaufen wiedergefunden, restaurierte der Sohn von Fritz Kühn das Gitter, das im Puppentheater Berlin an der Greifswalder Straße eine neue Heimat fand. Mit der Einrichtung von barrierefreien Zugängen und entsprechenden Einrichtungen für die Anprobe von Kleidung sowie einer Modernisierung der Haustechnik endete die zweite Renovierungsphase im Oktober 1989. Ein vergeblicher Aufwand. Das „Haus des Kindes“ überlebte die Wendezeit nicht. Viele seiner Einbauten verschwanden spurlos oder wurden überformt. Was blieb, waren die Wohnungen in den übrigen Geschossen des Hochhauses. Ursprünglich und nach den Worten des Chefarchitekten der Stalinallee, Hermann Henselmann, sollten diese Wohnungen gegenüber den anderen in der Stalinallee größer und besser ausgestattet jenen Menschen vorbehalten sein, „die auf unserem Weg aus den Trümmern an der Spitze marschieren“. Heute leiten sich Privilegien vom Geldbeutel ab. Diese aufwendig sanierten Wohnungen werden zum Kauf angeboten.

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