Der Helsingforser Patz vor der Bebauung 1984

Doppelt nordisch

Der Helsingforser Platz in einem Propagandafilm von Kurt Maezig, 1946, Quelle: FHXB-Museum
Hat so nie stattgefunden: brüderliche Vereinigung der Arbeiterparteien am Helsingforser Platz 1946. Foto aus einem Propagandafilm von Kurt Maezig.
/ Quelle: FHXB-Museum /

Umstrittene Einheit: Filmkulisse und Ikone der DDR-Geschichte

Am 21. April 1946 fand die Vereinigung der beiden größten deutschen marxistischen Arbeiterparteien statt, die sich in den Jahrzehnten davor bitter befeindet hatten. Kommunisten und Sozialdemokraten reichten sich nach langem Bruderzwist, der die NS-Diktatur ermöglicht hatte, versöhnend die Hände. Dieser Handschlag wurde zum Symbol der neuen Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. So zumindest sah es später die kommunistische Diktion. Darüber, dass es neben der Hoffnung auf brüderliche Zusammenarbeit auch heftigen Widerspruch unter Sozialdemokraten gegen die von der sowjetischen Besatzungsmacht forcierten Einheit gab, wurde später geschwiegen. Und in der Tat war die neue Partei von Beginn an moskautreu und verfolgte Sozialdemokraten.
Genau den Helingforser Platz suchte sich der damals noch völlig unbekannten DEFA-Regisseur Kurt Maetzig als Kulisse für einen Propagandafilm aus, um dieses Ereignis wirkungsvoll nachzuspielen. Später drehte Maetzig den Propagandazweiteiler: „Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse“ aber auch: „Die Buntkarierten“ und 1965 den sofort nach seiner Fertigstellung verbotenen Film: „Das Kaninchen bin ich“.
Hier am Platz ließ Maetzig 1946 zwei aus der Bromberger (jetzt Helsingforser) und Memeler Straße auf dem Platz zusammentreffende Demonstrationszüge filmen, die jeweils eine der beiden Arbeiterparteien darstellten, und sich vor den Ruinen der kriegszerstörten Häuser zu einem einheitlichen Zug der neugegründeten SED vereinigen. Alles inszeniert. Ein Foto aus diesem Film zierte bis zum Ende der SED-Herrschaft zahlreiche Publikationen in der DDR, vor allem Schulbücher, als Beleg für die Einigung der Arbeiterklasse. Weshalb man nach der Neubebauung des Platzes Mitte der achtziger Jahre auf die Gelegenheit verzichtete, hier einen historischen Erinnerungsort einzurichten, harrt bis heute der Erforschung.

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