Fräulein Beckers Lieblingsapotheke | Foto: Foto: Anne Winkler



Erkenne sie! – Die Leuchtspur des Geschicks!

Fräulein Beckers Lieblingsapotheke in der Karl-Marx-Allee 101, Berlin-Friedrichshain | Foto: Anne Winkler

Kundenpflege in Fräulein Beckers Lieblingsapotheke | Foto: Anne Winkler
Auch im Sitzen wird bedient. Frau Rüsch in Aktion bei der Betreuung eines Kunden.
/ Fotos: Anne Winkler /

Die Menschen werden mit Herzlichkeit bedient

2007 tanzte die Lieblingsapothekerin mit ‚ihrem Udo‘ auf den Ohren durch ihre geliebte „Kalle Malle“, betrat die Robert-Koch-Apotheke, kam mit dem Besitzer ins Gespräch und fragte ihn, ob er denn eventuell die Apotheke verkaufen wolle. Er wollte! Und zwar unglaublich gern, denn er war eigentlich schon Rentner und saß nur noch aufgrund der Mietvertragsbindung hier seine Zeit ab. Mit der Abfindung bezahlte Frau Becker den Rest des Warenlagers und entließ den Altapotheker in seinen verdienten Ruhestand. Ab diesem Moment steckte sie all ihre Liebe und Energie in das Projekt, eine Apotheke zu erschaffen, die den Menschen sieht und versucht, ihm das zu geben, was er gerade braucht. Zwei Damen kommen hinein, eine Frau im besten Alter und ihre Mutter am Rollator. Man kennt sich. Die alte Dame hat ein Rezept dabei, die Tochter braucht Beratung für eine Flugreise, die sie bald zu unternehmen beabsichtigt. Die bekommt sie. Dann kommt ein junges Paar, das sich für das kranke Baby einen milden Hustensaft wünscht. Während sich die Mutter beraten lässt, sitzt der Vater auf dem roten Sofa, das irgendwann einmal auf der Bühne der Komischen Oper stand, ruft dem Kleinen im Wagen etwas zu und freut sich sichtbar über jede Reaktion des Babys. Die Lieblingsapotheke wie sie leibt und lebt. Frau Becker ist sehr aktiv, wenn es um Werbung geht. „Haben Sie das nötig?“ frage ich. „Das kostet doch bestimmt ’ne ganze Menge Geld?“ – „Ja, kostet es.“ erwidert die Lieblingsapothekerin. „Aber es geht mir einfach darum, dass Menschen fröhliche Momente erleben können! Und wenn ein Kind in die Lieblingsapotheke kommt und zu mir sagt: ‚Oh, du bist ja berühmt! Du hängst in der U-Bahn!‘, oder wenn einer vorbeigeht und mir durch die Scheibe zuwinkt, weil er unseren Mini-Film im Kino ‚International‘ gesehen hat, ist es schön. Das ist Leben!“

Protest gegen steigende Mieten seitens der Immobilienfirma. Gegen diese Entwicklung regt sich Protest, Mieter hängen Protestplakate vor die Fenster.| Foto: Dirk Moldt
Protest gegen den Ausverkauf der Stadt. Auch viele Mieter der Straße hatten und haben plakatiert.
/ Foto: Dirk Moldt /

In den Zeitungen war es zu lesen: die Immobilienfirma Deutsche Wohnen hat einen Teil der Gebäude in der Karl-Marx-Allee aufgekauft, 700 Wohnungen. Diese Firma hat einen denkbar schlechten Ruf, gerade in Bezug auf das sensible Thema Wohnen. Manche bezeichnen sie als staatlich gebilligtes Institut zur Vertreibung von Menschen. Wie auch immer, es ist damit zu rechnen, dass die Mieten erneut steigen werden. Gegen diese Entwicklung regt sich Protest, Mieter hängen Protestplakate vor die Fenster. Margrit Becker unterstützt die Proteste und erkennt auch einen positiven Aspekt: „Die Menschen bewegen sich. Das ist super! Aber im Sinne der Idee von den Erbauern der Allee verläuft diese Entwicklung absolut nicht! Karl Marx hatte offensichtlich Recht mit seiner Analyse.“ Die Proteste und die Unterstützung durch den Bezirk haben erreicht, dass der Verkauf an die Deutsche Wohnen vorerst gestoppt wurde. Damit findet sich die Immobilienfirma allerdings nicht ab. Sie wird dagegen klagen und hat bereits den Kauf weiterer Wohnungen angekündigt. Ein Krimi auf Kosten der Einwohner. Für Frau Becker und ihre vielen treuen Kunden wünschen wir alles Gute und noch viele gute Jahre mit viel Liebe.

www.lieblingsapotheke.info

Fräulein Beckers Lieblingsapotheke in der Karl-Marx-Allee 101, Berlin-Friedrichshain | Foto: Anne Winkler
/ Foto: Anne Winkler /

 

 

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