Renate und Hans-Joachim Hellwig | Foto: Giovanni Lo Curto

„Das kann nur jemand wissen, der damals dabei war!“

Hans-Joachim Hellwig | Foto: Giovanni Lo Curto
/ Foto: Giovanni Lo Curto /

Enttäuschte Hoffnungen

1990 blickten die Hellwigs optimistisch auf die Deutsche Einheit: ‚Jetzt geht’s los mit dem Geldverdienen!‘, dachte der Ingenieur in leitender Stellung. Doch konnte der Betrieb unter den neuen Bedingungen nicht mithalten. „Wir wurden in der Fachpresse noch als erste Ostdeutsche gefeiert, die moderne Zusatzausbildungen zum Fachauditor für Qualitätsmanagement absolvierten. Aber es lief nicht.“ Ein Freund, der bei VW arbeitete, bot Unterstützung an. In der Nähe Prags wurde ein neues VW-Werk errichtet. „Mit Deiner Ausbildung bist Du dort genau richtig!“ Die Bedingungen waren nicht einfach: nur alle zwei Wochenenden frei. Aber es sollte ein traumhaftes Gehalt und einen Firmenwagen geben. Doch 1992, als in Jugoslawien der Krieg begann, schloss VW sein Werk in Sarajewo und brachte die leitenden Mitarbeiter in Prag unter. „Seitdem bin ich erwerbslos“, resümiert der 83-Jährige. Renate Hellwig, die viele Jahre in der Verwaltung der Studienausbildung der Charité gearbeitet hatte, ging mit 60 in Rente. Mit Freundinnen trifft sie sich manchmal zum Klöppeln. Da kommen mitunter zwanzig Frauen zusammen, manche haben die Kunst aus ihrer Heimat mitgebracht, andere haben sie dazugelernt. Zwei Kinder haben die Hellwigs großgezogen. Seit vielen Jahren ist Herr Hellwig im Deutschen Senioren-Computerklub in Lichtenberg aktiv, der sich in mehreren Sparten dafür einsetzt, dass auch ältere Menschen mit Computern versiert umgehen können und sogar eine eigene Zeitschrift herausgibt. „Sie sind noch nicht alt genug für uns“, kommentiert Herr Hellwig lachend. Man kann den Hellwigs nur wüschen, dass sie so lange aktiv bleiben.

Renate Hellwig klöppelt gern | Foto: Giovanni Lo Curto
Frau Hellwig klöppelt. Dieses alte Handwerk hat sie aus dem Erzgebirge mitgebracht. / Foto: Giovanni Lo Curto /

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