Vanessa Rémy, Leiterin des Literatur­salons Karl-Marx-Buchhandlung, Foto: Giovanni Lo Curto

„So was hat Friedrichshain noch nicht!“

Vanessa Rémy, 1998, Foto: Dominik Mentzos
Vanessa Rémy am Staatstheater Wiesbaden 1998 / Foto: Dominik Mentzos /

Vom Schauspiel über die Literatur zum Salon

Aufgewachsen ist sie in Limburg an der Lahn, der Stadt, die vor einigen Jahren wegen eines maßlos gewordenen Erzbischofs in negative Schlagzeilen geraten war. Schon ihr erster Beruf hatte mit Literatur zu tun. Sie studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Künste in Frankfurt am Main und erhielt Engagements im Staatstheater Wiesbaden und im Frankfurter Theater am Turm. Enger mit Literatur kam sie in Verbindung, als der Suhrkamp-Verlag eine Lesestimme brauchte und auf Vanessa Rémy aufmerksam wurde. Sie wechselte ins Verlagswesen über und übernahm bei Suhrkamp die Organisation der Veranstaltungen. Als sie nach Berlin zog – ihr Mann erhielt eine Professorenstelle in der Stadt – arbeitete sie für den Aufbau-Verlag und war für 700 Veranstaltungen im Jahr, davon 100 Premieren, verantwortlich.
„Jeden Tag bin ich mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit am Moritzplatz hier vorbeigekommen“, erzählt Vanessa lebhaft. „Ich fand’s schade, dass so ein schöner Ort ungenutzt war.“
Ganz ungenutzt waren die Räume freilich nicht. 2008 hat Filmproduzent Juri Wiesner, Chef der Cobblestone Filmproduktion GmbH in der leerstehenden Buchhandlung, deren Leuchtschrift über dem Schaufenster und deren Innengestaltung unter Denkmalschutz stehen, eine Zweigstelle eröffnet.

Mieter sucht Nutzer

Die Arbeitsplätze zogen in die obere Etage. Dem gebürtigen Schwedter gefiel das Besondere des Ortes und er ergriff mehrmals Initiative, um die Geschäftsräume im Parterre zu einem öffentlichen Kulturort zu reanimieren. Dies führte schon im Sommer 2014 zu einem ersten Versuch, der Juri Wiesner überzeugte: Vanessa organisierte zwei Buchpremieren, eine mit dem ehemaligen Datenschutzbeauftragten Peter Schaar und eine andere mit der Schriftstellerin Sabrina Janesch.
Auf eine Rundmail an die Berliner Verlage war Vanessa die Einzige, die antwortete. „Ich habe ein Konzept geschrieben und habe damit überzeugt: ein Literatursalon. So was hat Friedrichshain noch nicht.“ Neben Vanessa ist Juri Wiesner der zweite Glücksfall, der zur Gründung des Salons führte.

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