Laienkunst bedeutet nicht laienhafte Kunst

Volkskunstzirkelbereich

Detlef Olschewski: Altberliner Haus, 1982,
Detlef Olschewski: Altberliner Haus, 1982, Radierung

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Volkskunstzirkel in der DDR waren beliebt, oft so sehr, dass es schwierig war, Mitglied zu werden. Sie ermöglichten Laienkünstlerinnen und -künstlern, die in unterschiedlichsten Berufen tätig waren, sich künstlerisch auf ganz verschiedenen Gebieten zu betätigen und sich fortzubilden. Ein hochwertiges Freizeitangebot, zumal die großzügige staatliche Förderung den Bestand der Zirkel garantierte. Dazu gehörte unter anderem Raummiete, die Bezahlung von Kunstpädagogen, Material, aber auch Exkursionen mit Sonderurlaub.
Dies war jedoch mit der Erwartung staatlicher Institutionen verbunden, zu bestimmten Anlässen künstlerische Produkte mit eindeutigen Aussagen im Sinne der offiziellen Ideologie und Politik abzuliefern. Das konnte anlässlich von runden Feiertagen geschehen, zu Großveranstaltungen wie Pressefesten oder Jugendfestivals oder konkret 1970 anlässlich des 100. Geburtstags des Revolutionsführers und Diktators W.I. Lenin. Die Künstlerinnen und Künstler schätzten die Zirkel jedoch vornehmlich wegen des ungezwungenen Austauschs und der gegenseitigen Wertschätzung. Laienkunst bedeutete nicht laienhafte Kunst. Neben eher durchschnittlichen Arbeiten entstand auch qualitativ Hochwertiges. Wie in allen staatlichen Einrichtungen galt auch hier der Sozialistische Realismus als künstlerische Leitform, doch wie sie tatsächlich durchgesetzt wurde, hing meistens von den Leiterinnen und Leitern der Zirkel ab.

Was geht ins kollektive Gedächtnis ein?

Die Volkskunstzirkel konnten beides sein: Ausdruck der staatlich festgeschriebenen und über weite Bereiche kontrollierten Kulturpolitik, aber auch Nische, ein Ort der Selbstverwirklichung unter Gleichgesinnten, bei der Politik und Ideologie nicht im Vordergrund standen. Im Gegensatz zu den großen akademischen DDR-Künstlern, die auch Funktionäre im gehobenen Kulturbetrieb waren und Staatspreise entgegennahmen, werden die nicht akademischen Künstlerinnen und Künstler üblicherweise nicht gesammelt. Ihre Werke – darunter wirklich Beachtliches – sind verstreut und fallen irgendwann der Vernichtung anheim, obwohl doch gerade sie dazu geeignet sind, Alltag in der Diktatur darzustellen.
Das FHXB-Museum in der Kreuzberger Adalbertstraße erhielt nun einen Bestand aus dem Studio „Otto Nagel“, und zwar vom langjährigen Leiter Karl-Heinz Klingbeil und dessen Nachfolger Volkmar Götze sowie auch von weiteren ehemaligen Mitgliedern. Der Volkskunstzirkel, einer der profi liertesten in der DDR-Hauptstadt, wurde 1960 gegründet und residierte jahrzehntelang in der Grünberger Straße 60. Der Maler Otto Nagel (1894–1967) hatte dem Zirkel 1965 persönlich seinen Namen verliehen.

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